Neue Aktenfunde zu Widerstand und Verfolgung

Ein Nachtrag zum Buch „die anderen“

Text: Christian Gotthardt
Veröffentlicht: Feb. 2015,
ergänzt Okt./ Nov. 2016

(1) Ort der Erpressung und Verfolgung am Außen-mühlenweg 20: Villa des Fabrikanten Christiansen, dessen Fabrik in der Nähe lag, dann Wohnhaus des SPD-Oberbürgermeisters Dudek. Seit 1933 SS-Casino und Sitz der Gestapo. Heute verschwunden.

Im Februar 2005 erschien die erweiterte Ausgabe des Buchs „die anderen. Widerstand und Verfolgung in Harburg und Wilhelmsburg. Zeugnisse und Berichte 1933 -1945.“ Wir hatten damals umfangreiche Archivrecherchen vorgenommen und konnten sicher sein, den Gegenstand im Wesentlichen erfasst zu haben... aber natürlich sind seitdem wichtige Details neu erforscht und wichtige Verfolgtengruppen komplexer begriffen worden. Diese Erkenntnisse sind in die Publikation „Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg“** weitgehend eingeflossen. An dieser Stelle sollen weitere Aktenfunde beleuchtet werden, die bisher noch nicht veröffentlicht wurden.

Die ersten Schutzhaftfälle

Gleich nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten, ab Februar 1933, begann die Polizei mit Unterstützung der SA, die bekannten und kommunalpolitisch aktiven Mitglieder ihrer gegnerischen Parteien in „Schutzhaft“ zu nehmen. Dies geschah gewissermaßen nach schwarzen Listen, und ohne Befassung von Richtern oder Staatsanwälten. Haftorte waren teils die Polizeigefängnisse, teils Untersuchungsgefängnisse, teils die ersten, provisorischen Konzentrationslager.

In „die anderen“ sind die Namen der in diesem Rahmen Verhafteten auf der Seite 55 insoweit aufgeführt, als sie zum Zeitpunkt der Erstausgabe 1980 durch schriftliches Material aus privater Überlieferung dokumentiert oder noch erinnert werden konnten. Neu aufgefundene Archivalien, v.a. eine Meldung des neuen Polizeipräsidenten an den Magistrat vom 2.3.1933 und Wiedergutmachungsakten, überliefern uns die folgenden zusätzlichen Namen:

Bauer, Henry, Arbeiter, geb. 9.9.1888 [KPD]
Brüdgam [Anarchist]
Endrichkeit, Heinrich, Schlosser, ge. 28.3.1898 [KPD]
Fricke, Karl, Kupferschmied, geb. 29.8.1883 [KPD]
Kohrs, Wilhelm, Gewerkschaftsangestellter, geb. 5.11.1893 [SPD, ab 1931 KPD]
Lanski, Joseph [KPD]
Niemann, Wilhelm, Maurer, geb. 30.8.1898 [KPD]
Nickschus, Gustav, Arbeiter, geb. 7.1.1902 [SPD]
Nyström, Rudolf, Arbeiter, geb. 23.9.1897 [KPD]
Placzek, Franz, Arbeiter, geb. 8.3.1913 [KPD]
Schacht, Wilhelm, Arbeiter, geb. 7.9.1904
Schneider, Joseph, Bäcker, geb. 3.7.1901 [KPD]
Selig, Hermann, Kellner, geb. 29.8.1895 [KPD]
Teschke, Alfons, Arbeiter, geb. 9.2.1898 [KPD]
Thimm, August, Bauarbeiter, geb. 23.7.1879 [KPD]
Tiedemann, Ernst, Arbeiter, geb. 8.4.1901 [KPD]
Wasiak, Johann, Arbeiter, geb. 13.10.1898 [KPD]
Wendtland, Paul, Arbeiter, geb. 9.7.1904
Wieszeczynski, Johann, Schiffbauer, [KPD]
Ziegler, Joseph, Schlosser, geb. 24.1.1894 [KPD][1]
 
 

[

(2) Hermann Seligs Kellnerleben: manchmal ein guter Monatslohn, oft garnichts

Bisher unbekannte Verfahren wegen „Hochverrat“ bzw. „Heimtücke“

Es handelte sich um strafrechtliche Verfahren mit dem Vorlauf: polizeiliche Ermittlungen, Inhaftnahme, Vernehmung (u.U. unter Folter) und Aufnahme von Beweismitteln, staatsanwaltliche Voruntersuchung und Anklage. In der Regel ging es bei solchen Verfahren um offene oder verdeckte Widerstandhandlungen gegen die staatliche Ordnung, so wie sie die neuen Machthaber verstanden. Diese Verfahren gab es in den Jahren 1933 und 1934 im Raum Hamburg hundertfach.

Bereits Anfang Februar 1933 verurteilte das Schöffengericht Harburg-Wilhelmsburg in einem Schnellverfahren den Harburger Kantinenleiter Wilhelm Ratschat, geb. 23.9.1909, wegen schweren Landfriedensbruchs zu einem Jahr Zuchthaus. Es sah in ihm den Rädelsführer eines Überfalls auf einen SA-Mann kurz nach der Ermordung des KPD-Mitglieds Martin Leuschel durch Nazis am 7.2.1933. Nach seiner Haft in Celle kam er nur für knapp drei Jahre frei, von 1937 bis 1945 durchlief er die Konzentrationslager Lichtenberg, Flossenbürg, Buchenwald und Dachau. In Flossenbürg half er mit, seinem von Sachsenhausen dorthin strafverlegten Harburger Genossen Harry Naujoks das Leben zu retten.

Der vor 1933 als Kommunist bekannte Heinrich Bienwald, geb. 9.6.1896, Bauarbeiter bei August Prien, hatte sich im März 1933 unter Kollegen über die Misshandlungen bei der sogenannten "Säuberung" des "Berthold-Steins" in Heimfeld und generell in den KZs empört. Er wurde vom NSDAP-Betriebsdelegierten Wilhelm Körtje denunziert und bekam vier Monate Gefängnis.

Im Bundesarchiv konnte die Urteilsabschrift eines Prozesses "Dahms u. Gen." gefunden werden. Es standen die Harburger Jungarbeiter Wilhelm Dahms, geb. 2.12.1914,  und Erich Alfred Karl Geiseler, geb. 1.5.1913, im Mai 1933 vor dem Berliner Kammergericht unter der Anklage der Vorbereitung zum Hochverrat. Beide waren Mitglieder des kommunistischen Jugendverbandes KJVD. Man hatte bei ihnen Flugblätter der KPD zur Reichstagswahl im März 1933 gefunden. Sie wurden zu 14 Monaten (Dahms) bzw. 21 Monaten (Geiseler) Gefängnis verurteilt.

Es handelte sich hier um die erste Verurteilung im Kreis einer von ehemaligen Mitgliedern der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und des KJVD getragenen Widerstandsgruppe. Das relativ hohe Strafmass erklärt sich vermutlich aus der direkten Zusammenarbeit der Angeklagten mit Otto Kloock, der aus Sicht der Gestapo zum Führungskreis der Gruppe zählte und in dieser Phase bereits untergetaucht war. Der Bruder Erich Geiselers, Alfred, geriet 1934 ebenfalls vor Gericht, zusammen mit Walter Dahms, dem Bruder von Wilhelm.

Am 19.6.1933 wurde Detlef Schmidt, geb. 8.1.1897 in Eutin, in Harburg in der Hoppenstedtstraße 24 wohnend, verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 16 Monaten Gefängnis verurteilt. Es waren in Altenwerder kommunistische Flugblätter aufgetaucht, deren Verbreitung ihm zugeschrieben wurde. Schmidt war schon vor 1933 in der KPD und aus diesem Grund von der Rhenania-Ossag (Shell) entlassen worden. Er durchlief bis zum 22.9.1934 das Untersuchungsgefängnis Hamburg sowie die Gefängnisse Lingen und Wesermünde.

In den Akten des Harburger Amtsgerichts fand sich, unplausibel abgelegt und ohne erhellenden Kontext, das Original eines Urteils des Berliner Kammergerichts vom 1.7.1933 in einem Prozess, von dem wir ebenfalls noch keine Kenntnis hatten.

In diesem Fall richtete sich der Prozess gegen die Harburger

Boldt, Christian, Arbeiter, geb. 27.6.1901 [KPD]
Dringelburg, Fritz Heinrich Karl, Arbeiter, geb. 28.7.1904 [KPD]
Färber, Robert Emil, Arbeiter, geb. 31.8.1875 [KPD]
Kehler, Kurt Gerhard, Schmied, geb. 19.3.1909
Meyer, Erna Johanne Frieda, Arbeiterin, geb. 2.3.1901
Niebuhr, Alma, geb. Tiedau, Ehefrau, geb. 15.2.1890
Schween, Adolf Peter, Arbeiter, geb. 4.2.1904
Till, Karl Ludwig, Arbeiter, geb. 7.7.1892 [KPD]
Thömen, Berta, Witwe, Rentnerin, geb. 7.2.1883
 

Mit Färber und Till, beide schon 1926 in die KPD eingetreten, waren Funktionsträger unter den Angeklagten. Till soll zeitweilig (1928) als besoldeter technischer Leiter des Harburg-Wilhelmsburger Rotfrontkämpferbundes gewirkt haben.

Alle Angeklagten wohnten in enger Nachbarschaft in der um 1926/27 gebauten Behelfsheimsiedlung Finkenweg und Meisenweg (heute Zehntland und Flutende, kürzlich abgebrochen). Ihnen wurde die Bildung einer kommunistischen Straßenzelle und Kassierung für KPD und Rote Hilfe vorgeworfen. Die Beweisführung schien auf Schwierigkeiten gestoßen zu sein, denn das Urteil wies neben geringen Haftstrafen auch einige Freisprüche aus.[2]

(3) Hinter Bahndamm und Gefängnis: eine andere Zelle

Im Kern wird die Qualifizierung der Gruppe durch den Ankläger den Tatsachen entsprochen haben. Auch aus anderen Verfahren ist geläufig, dass die Parteigruppen der KPD sich in den ersten Monaten der Naziherrschaft zwar um eine gewissen Geheimhaltung bemühten, aber an den grundlegenden Organisationsstrukturen nichts änderten, vor allem nicht an den großen Zellen. So waren bei der Denunziation/ Verfolgung Einzelner schnell mehrere Mitglieder mitbetroffen.

Der Prozess wirft Fragen auf, die weiterer Klärung bedürfen: Warum wurde trotz der relativ geringfügigen Delikte (auch nach Naziverständnis an der unteren Grenze der „Heimtücke“) gleich das damals höchste Gericht Preußens, in der Regel nur bei Hochverratssachen bemüht, herangezogen? Hatte die Anklage bei Till und Dringelburg (der möglicherweise verdeckt im Stahlhelm und in der SA gewirkt hatte) Hoffnung, einen größeren Fang zu machen? Konnten die Kommunisten in diesem Fall größere Geheimnisse hinter dem kleineren (Straßenzelle) verbergen?

Ebenfalls im Juli 1933, diesmal vor dem Landgericht Stade, fand ein erster Prozess gegen Mitglieder des Reichsbanners und der SPD statt. Gegenstand war die Abwehr eines Überfalls von SA-Leuten auf das "Volksblatt-Gebäude", der Zentrale der SPD im Großen Schippsee, durch 30-40 Reichsbanner-Kämpfer am 3.2.1933. Ursprünglich hatte die SPD Anzeige erstattet, nun fand sie sich selbst auf der Anklagebank wieder. Der Prozess ähnelte in vielem dem großen Verfahren gegen die Wilhelmsburger Anhänger des Rotfrontkämpferbundes wegen Überfalls auf eine Stahlhelm-Demonstration.

Verurteilt wurden

Willi Heinrich Hartmann, Arbeiter, geb. 13.12.1905 in Braunschweig, 6 Mon. Gef.
Gustav Paul Oschecker, Arbeiter, geb. 26.7.1912 in Harburg, 7 Mon. Gef.
Ernst Friedrich Schirmer, Arbeiter, geb. 28.2.1907 in Harburg, 6 Mon. Gef.
Fritz Johannes Jonuschat, Schlosser, geb. 17.8.1913 in Harburg, 4 Mon. Gef.
Fritz Korten, Arbeiter, geb. 28.04 1901 in Offenwarder, 10 Mon. Gef.
August Johann Strehse, Arbeiter, geb. 18.5.1908 in Bardowick, 6 Mon. Gef.

Fritz Korten, der als Anstifter galt, wurde von der SA mehrfach aus der Untersuchungshaft heraus zu sogenannten "Schrubbaktionen" (Entfernen antischaschister Parolen mit Zahnbürsten etc.) geholt und dabei schwer misshandelt.

Im September 1933 wurde im Prozess "Georg Einhaus u.a." Anklage gegen neun Arbeiter erhoben, die durch Beitragskassierung und Flugblattaktionen die Tätigkeit der verbotenen kommunistischen "Revolutionären Gewerkschaftsopposition" (RGO) in den Harburger Großbetrieben fortgesetzt hatten. Das Schicksal des Hauptangeklagten Einhaus wurde in "die anderen" bereits behandelt. Inzwischen kennen wir die Namen aller Angeklagten:

Georg Einhaus, Maurer, geb. 24.4.1898 in Danzig
Kock, Arnold Ernst, Arbeiter, geb. 3.12.1911 in Harburg
Rühmkorf, Heinrich Robert, Arbeiter, geb. 29.10.1897 in Harburg
Morka, Paul, Arbeiter, geb. 9.6.1908 in Oppeln
Moje, Wilhelm, Arbeiter, geb. 14.10.1901 in Harburg
Georg Rannetshauser, Maschinenarbeiter, geb. 15.2.1897 in Wolnzach/Bay.
Walter Heinrich Knauth, Schuhmacher, geb. 24.5.1904 in Calbe
Hugo Gerstendorf, Elektriker, geb. 4.1.1908 in Lodz
Heinrich Ferdinand Schmorr, Arbeiter, geb. 8.11.1901 in Preetz

Ebenfalls im September 1933 nahm die Hamburger Gestapo den Arbeitsinvaliden und Kommunisten Robert Fassbender, geb. 24.3.1890, und den mit diesem befreundeten Hermann Burkschat fest, um gegen sie ein Verfahren wegen Hochverrats einzuleiten. Beide kamen zunächst ins KZ Börgermoor, wo Fassbender schwer misshandelt wurde. Das Verfahren zerschlug sich, beide blieben jedoch bis Februar 1935 in Haft, Fassbender zuletzt in Moabit.

Gleich doppelt traf die Verfolgung den Hamburger Straßenbahner und Kommunisten Rudolf Abromeit, geb. am 5.1.1894 in Insterburg. Von der Hamburger Hochbahn 1933 aus politischen Gründen entlassen, kam er wegen Vertriebs illegaler Zeitungen in Polizeihaft. Sein Urteil lautete auf 10 Monate Haft, die er ab Juli 1934 im Konzentrationslager Fuhlsbüttel absaß.

Ende 1933 wurde der Neuhofer Fritz Hesse, geb. 27.2.1902, mit Marken der RGO aufgegriffen, wegen Fortführung der KPD angeklagt und zu 9 Monaten Gefängnis verurteilt.

Ein großer und recht komplizierter Prozess richtete sich Ende 1933/ Anfang 1934 gegen eine vermeintliche kommunistische Verschwörung im Gartenbauverein "Einigkeit" am Radeland. Hauptangeklagter war der ehemalige KPD-Funktionär und Bürgervorsteher Paul Krüger, geb. 9.7.1889, der vor 1933 Vorsitzender des Vereins gewesen war. Krüger behauptete, er sei 1927 aus der KPD ausgeschlossen worden und habe seitdem mit ihr gebrochen. Seit Mitte 1933 war er Mitglied der DNVP. Als seinen Verteidiger wählte er einen der reichsten und mächtigsten Harburger Honoratioren, Justizrat Palm, langjähriger Syndicus der Handelskammer. Seine KPD-Abstinenz ließ er sich von den bekanntesten Hamburger Kommunisten bezeugen, die sehr geschickt in seinem Sinne aussagten. Das Gericht glaubte die Geschichte nicht, hatte aber nur sehr wenig konkrete Anhaltspunkte. Aufgrund von Zeugenaussagen, die Krüger Sammlung für die Rote Hilfe und Verteilung der illegalen "Norddeutschen Zeitung" der KPD im Verein anlasteten, erhielt er 15 Monate Gefängnis. 

Zur gleichen Zeit und mit ähnlichen Begründungen verhaftete die Harburger Gestapo den Rammer Heinrich Burmeister, geb. 23.12.1900, den Arbeiter Wilhelm Gyszus, geb. 15.8.1907, und den Maurer Hermann Müller, geb. 16.11.1896. Burmeister und Gyszus erhielten Gefängnisstrafen, Müller wurde freigesprochen. Müller ging sofort danach in den Widerstand. Der Aufrollung der Organisation 1934/ 35 entzog er sich durch Flucht nach Prag. Beim deutschen Einmarsch 1939 floh er weiter nach England.

Am 6. April 1936 wurde der Harburger Seemann Heinrich Barkowski an Bord des Hapag-Dampfers „Deutschland“ verhaftet und im August wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu 18 Monaten Gefängnis verurteilt. Gegenstand des Verfahrens waren vermutlich illegale Gruppenbildungen im Hafen bzw. unter Seeleuten. Nach der Haft fuhr er wieder zur See, im November 1942 wurde er von Bord eines Walfängers geholt und in den Dienst des Strafbataillons 999 in Griechenland gepresst.

Im November 1936 wurde der in Harburg aufgewachsene Volkswirt Dr. Eduard Maak und seine aus Wilhelmsburg stammende Frau Charlotte, geb. Bock, in einem "Heimtücke"-Prozess zu je 5 Monaten Gefängnis verurteilt, und zwar "wegen vorsätzlicher fortgesetzter gemeinschaftlicher Verläumdung der Reichsregierung". Maak hatte in Hamburg als Wirtschaftsjournalist zunächst eine gewisse Karriere gemacht, betrieb dann einen zunehmend verkrachten Fahrradhandel, danach eine ebenso erfolglose Waschmittelproduktion. Die Mißerfolge hatten ihn zu einer schwierigen Person werden lassen. Sein Richter stand ihm darin nicht nach. In der Urteilsbegründung argumentierte er seitenlang, warum es besonders verwerflich sei, Hitler Zeugungsunfähigkeit anzudichten ("die objektiv nicht besteht"), und dies dann noch mit einem "Hodenschuss" im ersten Weltkrieg zu begründen.

Im September 1937 geriet nach einer Denunziation durch Nazi-Kollegen der Elektriker und ehemalige SAJ-Vorsitzende aus Harburg-Wilhelmsburg Hans Rubbert wegen Vorbereitung zum Hochverrat in Haft. Nachdem er 1933 bei den kommunalen Stadtwerken entlassen worden war (s.u.), hatte er nach einiger Zeit Arbeitslosigkeit endlich Arbeit bei der Stülckenwerft gefunden. Nun saß er rund ein Jahr in Haft, bis er aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde.

Im Juli 1938 schrieb die Gestapo-Leitstelle Hamburg Elise Korsen, geb. Strassberger, geb. 14.12.1912 in Harburg, dort wohnhaft bis etwa 1934, wegen Vorbereitung zum Hochverrat zur Fahndung aus. Über die Hintergründe und das weitere Schicksal dieser Frau ist bislang nichts bekannt.

Nach Beginn des Krieges 1939 mehrten sich wieder die „Heimtücke“-Verfahren, in denen Menschen wegen des Hörens von "Feindsendern", "Sabotage" durch Arbeitsverweigerung und spontaner Unmutsäußerungen denunziert und zu Gefängnisstrafen verurteilt wurden. Bisher unbekannt:

Im Januar 1941 wurde der Straßenbahnschaffner Ernst Johannes Vondran, geb. 14.4.1911, zu 8 Mon. Gefängnis verurteilt, weil er vor der militärischen Stärke der Alliierten gewarnt hatte.

Im Verfahren "Schröder u.a." wurden im November 1941, weil sie gemeinsam in wechselnder Zusammensetzung Radio Moskau und Radio London gehört hatten,

Hans Schröder, geb. 15.1.1909 in Wilhelmsburg, Schiffzimmerer, zu 4 Jahren Zuchthaus
Wilhelmine Schröder, geb. 19.3.1906 in Hamburg, zu 8 Mon. Gefängnis
Wilhelm Lorenzen, geb. 23.10.1896 in Neuhof, zu 1 Jahr 6 Mon. Zuchthaus
Liesbeth Lorenzen, geb. 28.7.1901 in Altzarendorf, zu 8 Mon. Gefängnis
Bernhard Nemitz, geb. 17.10.1897 in Altzarendorf, zu 1 Jahr Gefängnis
Willy Voss, geb. 6.12.1908 in Wilhelmsburg, zu 8 Mon. Gefängnis

verurteilt.

Ebenfalls im November 1941 kam der Harburger Maschinenarbeiter Georg Rannetshauser (s.o.) wegen Sabotage und Vorbereitung zum Hochverrat erneut in Haft. Das Urteil lautete auf 15 Monate Gefängnis, er wurde aber sofort in das KZ Buchenwald gesperrt und blieb dort bis Kriegsende gefangen.

Zum Jahresende 1941 erhielt Gustav Nickschus, geb. 7.1.1902 in Heinrichsfelde, Ostpreußen, Arbeiter, wegen Wehrkraftzersetzung eine Zuchthausstrafe von 3 Jahren. Der Sozialdemokrat, den die Nazis für einen Mittäter in der Berthold-Sache 1920 hielten und bereits 1933 in Schutzhaft genommen hatten (s.o.), soll beim Munitionsverladen gegenüber Mitsoldaten Zweifel am deutschen Endsieg geäußert haben. Er war seit dem 15.8.1941 im Wehrmachtsstraflager 7 inhaftiert gewesen, kam dann von November 1941 bis November 1944  ins KZ Esterwegen.

Im Februar 1942 traf es aus ähnlichen Gründen den Harburger Karl Behrens (5 Monate), im Juni des selben Jahres den Harburger Nervenarzt Dr. Fritz Buss aus Heimfeld mit 10 Monaten Gefängnis, im Juli 1942 den Wilhelmsburger Fabrikarbeiter Hermann Albert Lenge. 

Ebenfalls 1942 geriet der Harburger Kommunist Gustav Fuchs, von dem wir bislang nur seine Verurteilung wg. Vorbereitung zum Hochverrat im Jahr 1935 kannten, aufgrund einer anonymen Denunziation erneut in Haft. Im neuen Verfahren ging es um Lebensmitteldiebstahl. Fuchs arbeitete in einer Meierei, wo er seit 1940 regelmäßig heimlich frühmorgens mit dem Buttermachen begann und die dabei entstandenen Mengen beiseite stellte, um sie abends nach Hause zu schaffen. Den politischen Hintergrund dieser Taten konnten Fuchs und seine Frau Edith, geb. Schomburg, im Verfahren verbergen: Sie gehörten einer lokalen kommunistischen Widerstandsgruppe an, die Familien emigrierter, inhaftierter oder ermordeter Genossen unterstützte. Die Butter und gegen Butter eingetauschte andere Lebensmittel wurden vom Ehepaar Fuchs und anderen (Ernst Tiedemann, Karl Kröger, Rudolf Abromeit) an Bedürftige verteilt. Gustav Fuchs erhielt 3 Jahre Zuchthaus, Edith Fuchs 2 Jahre Gefängnis.[3]

 

Rund 100 Entlassungen aus dem kommunalen Dienst

Diese Art der Verfolgung traf zuerst Beamte. Die Grundlage war am 7.4.1933 durch das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ geschaffen worden. Es richtete sich in der Hauptsache gegen politische Gegner und gegen Juden im Sinne der einschlägigen Arierparagraphen. Seine Handhabung in politischen Fällen gestaltete sich weitgehend schnörkellos: War ein Beamter als ehemals führendes Mitglied einer gegnerischen Organisation identifiziert, wurde er entlassen und musste von einer Art Notpension leben. Ging es um einfache Mitgliedschaft, so wurde zumeist eine Degradierung auf einen niedrigeren Dienstrang vorgenommen.

Die Welle der politisch motivierten Entlassungen begann im Mai 1933. Betroffen waren zunächst die mittleren und höheren Kommunalbeamten der Verwaltung und der Kommunalbetriebe:

Danehl, Erich, Polizeipräsident, SPD
Dudek, Walter, Oberbürgermeister, SPD
Faber, Paul, Amtmann Liegenschaft, SPD
Freystedt, Erich, Hauptwachtmeister Schutzpolizei, SPD
Hansen, Friedrich, Amtmann Tiefbauamt, SPD
Harms, Paul Heinrich Christian, Verwalter Obdachlosenheim, SPD
Hövermann, John, Leiter des Arbeitsnachweises i.R., als Ruhegehaltsempfänger [SPD]
Klemm, Hugo, Senator, SPD
Knorre, Friedrich, Bauobersekretär Hochbau, SPD
Kaltschmidt, Georg, Oberinspektor Bauamt [SPD]
Mars, Johann, Amtmann E-Werk, SPD
Mohr, Rudolf, Senator, SPD
Mohr jr., Walter, Wohlfahrt, SPD
Pein, Franz, Techniker Tiefbau, SPD
Oehlschläger, Tierpflegerin, SPD
Oellerich, Hermann, Wohlfahrtspfleger [SPD]
Oellerich, Wilhelm, Verwalter Obdachlosenheim, SPD [Angestellter]
Rubbert, Johannes, Wohlfahrtspfleger, SPD
Schmidt, Verwaltungsassistentin, SPD
Schulz, Otto, Magistratssekretär, Wohlfahrtsamt, SPD
Seewald, Magistratssekretär, Wohlfahrtsamt, SPD
Sydow, Karl, Magistratssekretär Feuerwehr, SPD
Wilhelm, Friedrich, Betriebsleiter Hochbau, SPD
 

Die Beamten waren nun „abzubauen bzw. sofort zu beurlauben“.[4]

(4) "Sozialsenator" Hugo Klemm 1925

Zeitgleich lief die Entlassung politisch missliebiger Lehrer. Hierzu liegen keine zeitgenössischen Akten aus der Harburger Verwaltung vor. Allerdings gibt es zwei Listen, die am 9.5.1945 – 6 Tage nach dem Kriegsende in Harburg – vom Schulamt Harburg angefertigt wurden, um einem „Schutzpolizeimajor Grabbe“ (einen Polizisten mit diesem Titel namens Richard Grabbe verzeichnet das Hamburger Adressbuch von 1943) Kenntnis über die Namen der in Harburg verfolgten Lehrer zu geben. Möglicherweise hatten die englischen Besatzer eine solche Liste angefordert, um geeignete neue Schulleiter zu bestimmen.

Aus dem Dienst entlassen wurden 1933 demnach

Callsen, [Heinrich], Volksschullehrer, Sammelschule Maretstr., KPD, z.Z. Ausland
Gotthardt, Fritz, Volksschullehrer, Sammelschule Maretstr., SPD, z.Z. Kinderlandverschickung
Herz, Paul, Volksschullehrer, Sammelschule Maretstr., SPD, z.Z. Neuwiedental
Kuhrs, [Willi], Volksschullehrer, Volksschule Neugraben, SPD, z.Z. Neugraben
Meyer, Karl, Volksschullehrer, Sammelschule Maretstr., USPD, z.Z. Harburg
Riggert, [Ernst], Volksschullehrer, Sammelschule Wilhelmsburg, KPD, z.Z. Dänemark
 

Die Liste ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zum einen enthält sie Angaben, die keiner amtlichen Akte entstammen können, sondern aus der Erinnerung geholt oder durch Herumfragen unter Bekannten und Kollegen beschafft wurden: dass Callsen im Ausland, Riggert in Dänemark, das Meyer ein USPD-Mann sei (er war es 1919 bis ca. 1924, dann gab es die Partei nicht mehr).[5] Andererseits enthält sie aus diesem Grund auch Unschärfen und Fehler: Dass Callsen eine Flucht ins Ausland geglückt war, ist sehr unwahrscheinlich. Er geriet bereits 1934 in Haft (s.u.). Ob Riggert in der KPD war, ist möglich, aber nicht belegt. Er war 1945 auch nicht mehr in Dänemark, sondern seit 1942 in Hamburg im Zuchthaus und anschließend bis zum Mai 1945 im KZ Neuengamme. Er war auch nicht an der Sammelschule Wilhelmsburg tätig gewesen, sondern an der Sammelschule Eißendorfer Straße (hier vermutlich eine Verwechslung mit dem in Wilhelmsburg über Jahre tätigen Volksschullehrer Friedrich Riggert). Willi Kuhrs war möglicherweise noch bis 1938 Schulleiter in Neugraben und wurde erst dann, aufgrund einer Denunziation eines Kollegen, entlassen und ersetzt. Er arbeitete darauf bis in die 1960er Jahre als Makler und kehrte nicht in den Lehrerberuf zurück.[6]

Die Liste bietet vor diesem Hintergrund jedenfalls keine Gewähr für Vollständigkeit. Die Zahl der aus dem Dienst entfernten oder vertriebenen Lehrerinnen und Lehrer in Harburg und Wilhelmsburg war wahrscheinlich größer (s.u.).

Eine weitere Liste, ebenfalls vom Schulamt nach Kriegsende 1945 erstellt, enthält die „nach 1933 in eine geringere Dienststellung versetzten Lehrer“:

Claus, [Emil] Volksschullehrer (VL), jetzt VL in Lüneburg, ehem. Sammelschule Maretstr., SPD
Gebhart, Studienrat (SR), jetzt VL in Kinderlandverschickung (KLV), SPD
Hildebrand, Alfred, VL, versetzt als VL n. Neuhof 1933-37, ehem. Volksschule (VS) Lutherstr., SPD
Hilmer, Adolf, Rektor, jetzt VL, ehem. VS Kapellenweg, Vors. Ortsgruppe DDP
Krug, [Reinhard], VL, vers. als VL n. Garlstorf, ehem. Sammelschule Maretstr.
Maas, [Otto], VL, vers. n. Buchholz, jetzt VL i.R., ehem. Sammelschule Maretstr., SPD
Mer[c]k,[Walther], Oberstudiendir. (OSD), jetzt SR, ehem. [Kerschensteiner Oberrealsch.], Demokrat
Niklas, [Martha], Rektorin, jetzt VL i.R, ehem. Mädchenmittelschule Woellmerstr., DDP, dann SPD
Dr. Niepage, [Martin], SR, jetzt ?, ehem. [Realgymnasium]
Dr. Schadow, [Walter Friedrich] OSD, jetzt SR in Kiel, ehem. [Realgymnasium], Demokrat
Schwarzkopf, Walter, Rektor, jetzt VL, ehem. Volksschule am Bahnhof, SPD
Sonne, Irma, Rektorin, jetzt VL, ehem. VS Reinholdstraße, „Halbjüdin“
Staiger, [Elisabeth], OSD, jetzt SR in KLV, ehem. Oberschule für Mädchen, Demokratin
Wienecke, [Ernst], Fachvorstand, jetzt Handelslehrer in Lüneburg, ehem. Handels- und Gew.sch., DDP
Witthöft, Paul, VL. jetzt VL, z.Z. Wehrmacht, ehem. Sammelschule Wilhelmsburg [SPD][7]
 

Auch diese Liste enthält vermutlich Fehler. So war Niepage 1933 nicht Studienrat, er wurde als Oberstudienrat in den Ruhestand versetzt.Es fehlt außerdem der Sozialdemokrat und Lehrer Heinrich Alberti von der Sammelschule Maretstraße, der nach deren Schließung im September 1933 ins Wendland versetzt wurde, sowie der in Wilhelmsburg tätige Lehrer Richard Maack, der an seiner Entlassung zerbrach und bereits 1937 starb[8] Dennoch: Deutlich wird aus beiden Listen, der politische Hauptschlag wurde gegen die Einrichtung und Tradition der Sammelschulen, also der konfessionslosen und reformpädagogisch inspirierten „Freien Weltlichen Schulen“ geführt, sowie gegen die liberale Schulreform, für die z.B. Staiger einstand. Die Anhänger dieser Richtungen wurden auch verbannt, wenn sie keiner der gegnerischen Parteien angehörten.

Bei den bekannteren Persönlichkeiten auf diesen Listen ist davon auszugehen, dass vor der Entlassung oder Degradierung von der örtlichen NSDAP-Führung Angebote gemacht wurden, die Maßnahme durch ein öffentliches Bekenntnis zur nationalsozialistischen Schule zu vermeiden. Von Fritz Gotthardt, Schulpolitiker und Mitgründer der Sammelschulen, von 1919 bis 1927 SPD-Fraktionsführer und danach bis Anfang 1933 Vorsitzender des Stadtparlamentes, ist dieser Vorgang bekannt.[9] Für den Direktor der Oberschule für Jungen, Dr. Schadow, ist dies zumindest zu vermuten. Schadow, der seit 1927 in Harburg amtierte, war ein bildungswissenschaftlich ausgewiesener, schulbildender Pädagoge von großem Ansehen. Ein facettenreiches Bild seiner Persönlichkeit hat der frühere SPD-Vorsitzende Schleswig-Holsteins, Jochen Steffen, hinterlassen, der in Kiel sein Schüler wurde.[10]

(5) Walter und Nora Schadow mit Tochter Hilde

Das weitere Schicksal der betroffenen Lehrer und Lehrerinnen gestaltete sich unterschiedlich, von nicht allen wissen wir darüber genaues. Das Spektrum reicht von Flucht und Haft (Riggert, Callsen) über pädagogische Tagelöhnerei (Gotthardt, als Nachhilfelehrer und ab 1942 in der Kinderlandverschickung) bis zur baldigen Rückkehr in die alte Funktion (Rektor Schwarzkopf). Irma Sonne blieb bis mindestens 1939 Lehrerin an der Mädchenschule Woellmerstraße. Elisabeth Staiger, die Anfang 1933 vom Oberlyzeum Goetheschule in Hildesheim nach Harburg strafversetzt worden war, hielt sich als Studienrätin am hiesigen Lyzeum, bis sie Anfang der 1940er Jahre in die Kinderlandverschickung abgedrängt wurde.

(6) Fritz Gotthardt 1943 als Lehrer in der Kinderlandverschickung/ Tschechien

 

Im Oktober 1933 folgte eine zweite Entlassungswelle bei den Kommunalbeamten und langjährigen kommunalen Angestellten. Als Sozialdemokraten denunziert, verloren ihre Stellung:

Frey, Ernst, Kontrolleur, E-Werk
Hoffmann, Hermann Adolf, Hausverwalter, Sparkasse [vermutlich Angestellter]
Jungclaus, Johannes, Sparkasse
Neddermeyer, Jan, Feuerwehr
Rosenberger, Sparkasse
Rüdemann, Hermann, Verwaltungsassistent, Wohlfahrtsamt [vermutlich Angestellter, s.u.]
Uhlendorf, August, Gaswerke.
 

Betreffend Uhlendorf trägt die Akte den aufschlussreichen Vermerk, dieser habe 1920 bei der Niederschlagung des Kapp-Putsches in Harburg den Berthold-Truppen in der Schule Woellmerstraße das Wasser abgedreht. [11]

(7) Die Stadtsparkasse am Sand vor dem Krieg

Kommen wir von den Beamten zu den kommunalen Angestellten und Arbeitern. Hier gab es mehr Entlassungen. Der Spielraum für willkürliche Entscheidungen war dabei beträchtlich, die in den Kündigungsschreiben gebrauchten Begründungen reichten von "Stellenabbau zu Sparzwecken" über "aus dienstlichem Interesse" und "Unzuverlässigkeit" bis zur pauschalen Berufung auf das "Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums", das für diese Personengruppe gar keine Geltung hatte. Denunziation und Missgunst von Kollegen spielten eine große Rolle. Zudem war die politische Führung der Kommune gehalten, Stellen für die sogenannten „Alten Kämpfer“ der NSDAP und SA freizumachen. Die Liste entsprechender Aspiranten war bald auf rund 70 Namen angewachsen.

In einem ersten Schritt im April 1933 forderte der nationalsozialistische Magistrat seine Untergliederungen auf, die Namen von kommunistischen Angestellten und Arbeitern anzugeben. Die zuständigen Dezernenten und Betriebsleiter ließen sich daraufhin von den NSDAP-Betriebsobleuten entsprechende Listen fertigen. Diese griffen dabei auch auf Materialien der früheren Betriebsräte zurück. Entlassen wurden daraufhin:

Beim Stadtbauamt:
Boldt, Christian [s.o. Prozess Straßenzelle KPD]
Kailuweit, Karl [KPD]
Klein
Lühr
Neumann, Robert
Obens, Johann
Oldag, Robert
 
Beim E-Werk:
Bokelmeier, Hermann
Flügge, Henry
Pichowiak, Alex
Rappman, Paul
 
Beim Schlachthof:
Dringelburg, Heinrich [Vater von Fritz D., s.o. Prozess Straßenzelle KPD]
Rieken, Peter
 
Bei den Städtischen Krankenanstalten:
Reinke, Robert [KPD]

Die weiteren Entlassungsvorschläge des Leiters der städtischen Krankenanstalten, sie betrafen vier sogenannte „städtische Mädchen“ aus dem Sekretariat und der Krankenpflege, wurden nicht berücksichtigt.[12]

Im zweiten Schritt folgten von Mai bis Herbst 1933 die Entlassungen von Sozialdemokraten sowie bisher übersehener Kommunisten. Die Harburger Verwaltung, mit der Auswahl und Auflistung entsprechender Kandidaten beauftragt, brachte es allein für Harburg auf rund 170 Vorschläge.[13]

Entlassen wurden diesmal:

Stadtreinigung/ E-Werke
Albers, Heinrich [SPD]
Benecke, Peter , Schaltwärter [SPD]
Heinrich, Georg, [KPD]
Heitmann, Gustav [SPD]
Jacobi, August [KPD]
Klink, Paul [SPD]
Kuhlmann, Heinrich [SPD]
Reimers, Hugo [SPD]
Roepke, Otto [KPD, dann SPD]
Rubbert, Hans [SPD]
Struß, Johannes
Triebler, Hermann [SPD]
Westphal [Karl, SPD]
Wulff, Heinz
 
Liegenschaft/ Bauamt:
Wiekhorst, Friedrich [SPD]
Wilhelm, Hans [SPD]
 
Gartenamt:
Gundescheit, Franz
 
Städtische Krankenanstalten:
Bargfeld, Albert [SPD]
Heinke, Georg [KPD]
Kleibs, Louis [KPD]
 
Gaswerk
Menzel, Richard, Klempner [SPD]
 
Wohlfahrtsamt:
Rüdemann, Hermann [SPD]
 
Wasserwek Bostelbek
Mohnkern, Fritz, Maschinist [SPD]
 
Sonstige Ämter/ Betriebe, bzw. nicht zuzuordnen:
Arndt, Wilhelm [KPD, dann SPD]
Bruns, Reinhold [SPD]
Chwolles, Paul, Verwalter [SPD]
Günther, August [KPD]
Gutwirth, Eduard [KPD]
Hammelberg, Richard, Elektriker [SPD]
Horch
Kräft, Adolf, Maurer [KPD]
Kühn
Mauksch, Richard, Elektromeister [SPD]
Müller, Hermann [KPD]
Popka, Richard, Vorarbeiter [SPD]
Prigge
Rebensdorf
Reinhold, Bruno, Handlungsgehilfe
Riedel, Wilhelm, Arbeiter [KPD]
Schach, August, Arbeiter [KPD]
Sievertsen, Jonny, Koch [SPD]
Söchting, Schiffszimmerer [SPD]
Stein, Ewald, Maschinist [SPD]
van Felten [KPD]
Walter, Gustav [SPD]
Wesse
Wolberg, Auguste [KPD][14]
 

Danach erfolgten noch weitere Entlassungen. Dazu ist aber nur eine bruchstückhafte Überlieferung vorhanden, nämlich nur insoweit die Betroffenen den Mut hatten, Widerspruch einzulegen. Auch hier wird es erheblich mehr Fälle gegeben haben:

Bergmann, Friedrich, Techniker im Tiefbauamt, „nicht zuverlässig“, 1936 entlassen
Haarstrich, Wilhelm, Stadtamtmann, SPD, 1934 entlassen
Hagenow, Emmy, Kinderkrankenhaus Pferdeweg, 1933 entlassen
Niendorf, Wilhelm, Büroleiter, SPD, 1934 entlassen
Seidel, Maria, Bibliothekarin, „politische Unzuverlässigkeit“, 1936 entlassen.[15]
 

In Summe kam es in den ersten Jahren nach der Machtübertragung zu mindestens rund 150 Entlassungen im kommunalen Dienst, und zwar fast ausschließlich aus politischen Motiven. Der Umfang von Entlassungen und Degradierungen in den auf Harburg-Wilhelmsburger Gebiet tätigen Reichsbehörden (Reichsbahn, Post, Zoll, Finanzverwaltung etc.) ist bisher noch nicht systematisch ermittelt worden und fand hier keine Berücksichtigung. Ebenfalls unberücksichtigt blieben die zahlreichen Entlassungen von Harburgern in Hamburger Infrastrukturbetrieben (Hochbahn, Hafenbahn, Strom- und Hafenbau - s.o. Fall Abromeit) und den gleichgeschalteten gewerkschaftlichen und genossenschaftlichen Organisationen und  Betrieben wie der Volksfürsorge oder der Produktion. Man kann vermutlich für diese Bereiche noch weitere rund 150 Entlassungen ansetzen.

 

Weitere Zwangseinziehungen in "Bewährungsbataillone" und vergleichbare Einheiten 

Ehemalige oder noch einsitzende politische Gefangene in Gefängnissen, Zuchthäusern und Konzentrationslagern wurden im Verlauf des Krieges in den Fronteinsatz geschickt. Neben den bereits in "die anderen" auf S. 279 genannten Personen betraf dies

Karl Lau, geb. 20.10.1912, BB 999 ab 1942 in Nordafrika, 1943 bis 47 franz. Kriegsgefangenschaft
Paul Morka (s.o.), BB 999 1942/43, dann amerikanische Kriegsgefangenschaft
Gustav Nickschus (s.o.), BB 500  in der Tschechoslowakei Ende 1944 bis zur Verwundung März 1945
Walter Pommeresche, geb. 23.3.1900 in Barth, 1943 bis 45 in Russland[15a]

 

 

Mord/ Flucht/ einzelne Schicksale

Im folgenden sind Fragmente aufgelistet, die immer noch nicht hinreichend aufgearbeitet werden konnten. Wir verknüpfen damit die Hoffnung, dass Familienforscher oder andere „kundige Suchende“, die im Internet unterwegs sind, neue Hinweise liefern können.

Frank und Sassa

Immer noch rätselhaft ist die Überlieferung der Ermordung zweier Wilhelmsburger Eisenbahnarbeiter durch NSDAP-Mitglieder am 2.2.1933. Sie entstammt der durch den SPD-Exilvorstand in London ab 1943 zusammengestellten Namensliste von Naziopfern, die 1946 unter dem Titel "Weißbuch der deutschen Opposition" veröffentlicht wurde. Die Namen der Eisenbahner werden auf dieser Liste mit Hermann Frank und Hans Sassa angegeben. Weitere Quellen über diese Liste bzw. Auszüge aus ihr hinaus scheint es nicht zu geben.[16] Eine Ortsverwechslung o.ä. liegt aber offenkundig nicht vor. 1931 lebte in Wilhelmsburg ein Eisenbahngehilfe Hans Sasse (Jenerseitedeich 2).[17] Bei dieser Adresse erscheint 1934 der Eintrag: Maria Sasse, Witwe.[18]

Karoline Querfurth, Wilhelm Hinrichs

Die Lehrerin Karoline Querfurth, geb. am 5.9.1895 in Hameln, unterrichtete zu Beginn der 1930er Jahre an der Sammelschule Wilhelmsburg, Wilhelm Hinrichs zur gleichen Zeit an der Sammelschule Maretstraße in Harburg. Beide waren Anhänger des aus der SPD ausgeschlossenen Pädagogen und Linkssozialisten Leonard Nelson und vermutlich Mitglieder der von Nelson gegründeten Organisation „Internationaler sozialistischer Kampfbund“ (ISK).[19] Das „Frl.“ Karoline Querfurth erscheint in den Adressbüchern seit 1931 als Lehrerin und Bewohnerin der Bonifatiusstraße 16, seit 1934 als Lehrerin und Bewohnerin des Hauses Hindenburgstraße 172 (das Haus gehörte der Geschäftsstelle des Wilhelmsburger Spar- und Bauvereins und war Verkaufsstelle der Genossenschaft „Produktion“), schließlich von 1938 bis 1943 als Lehrerin und als Inhaberin einer Brothandlung in der Veringstraße 157. Im öffentlichen Schulwesen war sie ab 1933 nicht mehr tätig. 1938 gab sie den Brotladen auf und übersiedelte nach Stuttgart, wo sie bei der Firma Taylorix arbeitete. Nach Kriegsende wirkte sie wieder als Lehrerin im Baden-Würthembergischen Schuldienst. Hinrichs scheint sich nach einer Versetzung von der aufgelösten Sammelschule an die Volksschule Wilstorf dort dauerhaft als Lehrkraft gehalten zu haben. Er wohnte 1935 in der Fritz Reuter Straße 37, dann bis mindestens 1970 in der Dürerstraße/ Flebbestraße 12, seit 1937 als Eigentümer des Hauses.[20]

Heinrich Callsen

Der Lehrer Heinrich Callsen gehörte, wie oben dargelegt, ebenfalls zu den Sammelschulpädagogen. Er war Musiklehrer, Mitglied der KPD und wohnte ab 1931 in der Hoppenstedtstraße 88. Das Adressbuch für 1934 verzeichnet ihn in der Talstraße 16 und als Mitglied des Kollegiums der Mädchenvolksschule Heimfeld in der Woellmerstraße. Im selben Jahr wurde er verhaftet und wegen Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt. Wir wissen nichts vom Gegenstand des Hochverratsprozesses und ob weitere Harburger beteiligt waren. Callsen war vom 9.11.1934 bis zum 4.6.1940 in Haft, zunächst im Untersuchungsgefängnis Fuhlsbüttel, dann im Zuchthaus Rendsburg und schließlich im KZ Buchenwald. 1946 wohnte er in der Schule Fischbek und war hier als Musiklehrer eingesetzt.[21] 1950 arbeitete er in gleicher Funktion im Kollegium der Schule Eißendorfer Straße, wurde aber auch von hier bald wieder versetzt. Karlheinz und Inge Schultz erlebten ihn in diesen Nachkriegsjahren als einen Lehrer, der nervlich zerrüttet und kaum mehr zum Unterrichten in der Lage war (Mitteilungen K. Schultz an den Autor 2015). In dieser Zeit wohnte er in Heimfeld in der Osterhoffstraße 2. 1957 starb Heinrich Callsen, seine Witwe zog im Folgejahr aus Harburg fort.

Eduard Korthaus

geb. 23.10.1909. Korthaus war der Sohn des Harburger Schlossers August Korthaus, einem Novemberrevolutionär und Mitglied der USPD im Harburger Arbeiter- und Soldatenrat  August Korthaus kam mit der USPD-Mehrheit zur KPD, Eduard trat 1924 in den KJVD ein. 1931 Mitglied der KP der Niederlande, 1932 KPD in Westfalen, als Mitglied des illegalen Militär-Apparates Emigration nach Holland, später Belgien, dort Mitarbeit in der illegalen Abschnittsleitung Südwest der KPD. Beim Einmarsch der Deutschen in Belgien im Mai 1940 transportierten ihn die belgischen Behörden mit anderen Leidensgenossen per Bahn ins südfranzösische Internierungslager Gurs, wo seit 1939 bereits viele nach Frankreich geflüchtete Interbrigadisten in Haft saßen. Hier Flucht, Beteiligung an der französischen Resistance, 1944 Verhaftung und KZ Buchenwald. Nach 1945 zunächst Mitarbeiter der Hamburger KPD, dann DDR. Er starb am 1.3.1956 in Dresden.

Gustav Martens

Wie in „die anderen“ beschrieben, verließ Gustav "Scheini" Martens, ehemaliger Sozialdemokrat und ab 1933 Mitstreiter in der illegalen Harburger KPD-Leitung, nach seinem Ausbruch aus dem KZ Fuhlsbüttel Deutschland 1935 in Richtung Skandinavien. 1937/38 beteiligte er sich am spanischen Bürgerkrieg. Danach ist er wieder nach Skandinavien zurückgekehrt. Der Historiker Jan Peters erwähnt, Martens habe als als Kommunist Unterstützung vom Göteborger „Hilfskomitee für deutsche Flüchtlinge“ erhalten.[22] Es bleibt unklar, ob dies nach seiner Flucht 1935 oder nach seiner Rückkehr aus Spanien Anfang 1939 geschah.

 

(8) Gustav Martens nach 1945 zu Besuch in Harburg

Für einen frühen Aufenthalt Gustav Martens` in Göteborg um 1935 spricht eine Randbemerkung von Georg Müssener in seinem Buch „Exil in Schweden“: Es habe bereits 1935 eine aktive Gruppe deutscher Kommunisten in Göteborg gegeben, die illegale Druckschriften nach Norddeutschland vermittelt habe, so z.B. „Die rote Einheitsfront. Organ der revolutionären Arbeiterschaft Groß-Lübecks“. Dieser Hinweis sei ihm von „G. Martens, Göteborg“ gegeben worden, im Jahr 1970.[23] Nach 1945, so war war Gesprächen zu entnehmen, hatten Kommunisten in Harburg Kontakt mit ihm. Den Wunsch nach Rückkehr hatte er nicht. [Aktualisierung: In Reaktion auf diesen Artikel nahm der in Schweden lebende Enkel Gustav Martens`mit uns Kontakt auf. Wir verfügen wir seit November 2015 über weitere Zeugnisse zum Wirken Gustav Martens` nach 1935].

Paul Brüggemann

Geb. 25.6.1912 in Harburg, Fabrikarbeiter, Nachbar und Freund von Gustav Martens und ebenfalls in der SAJ und später im illegalen KPD-Unterbezirk, entzog sich dem wachsenden Verfolgungsdruck bei dessen Aufrollung ab Frühjahr 1934 durch Flucht nach Dänemark und später Schweden. Er nahm wie Martens als Kämpfer der Internationalen Brigaden am Spanischen Bürgerkrieg teil und kehrte danach wieder nach Schweden zurück.

Die neuen Hinweise zu Gustav Martens boten Anlass und Gelegenheit, die Entwicklung der Harburger SAJ-Funktionäre von den 1920er bis in die 1960er Jahre näher zu untersuchen. Hierbei konnten auch weitere neue Quellen erschlossen werden. Eine Darstellung dieser Gruppe erscheint demnächst auf dieser Website.

 

Weitere, bisher nur lückenhaft erforschte Fälle

Eine kürzlich aufgefundene Übersicht des „Komitees ehemaliger politischer Gefangener Hamburg-Harburg“ vom Januar 1946 über die zu diesem Zeitpunkt bekannten Fälle politischer Haft gibt neben bekannten Fällen weitere Personen an, die bisher noch nicht als Verfolgte identifiziert waren.[24] Die Namen derjenigen, die anhand der Adressbücher vor 1946 und der Wiedergutmachungsakten als Harburger bzw. Wilhelmsburger Einwohner nachweisbar sind, wurden mit einem * versehen. Bei den übrigen Personen kann es sich um Verfolgte handeln, die das Kriegsende in den Raum Harburg verschlagen hatte:

Willi Fleischfresser

Derzeit Meckelfeld, wg. Vorbereitung zum Hochverrat verurteilt, vom 20.10.1933 bis zum 30.4.1938 KZ Fuhlsbüttel und Zuchthaus Oslepshausen.

Fritz Gromeier

Derzeit Harburg, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung. Vom 9.7.1943 bis zum 31.12.1944 Untersuchungsgefängnis Hamburg, Zuchthaus Fuhlsbüttel.

Robert v.d. Heide*

Derzeit Harburg, [SPD], Schutzhaft und KZ Fuhlsbüttel vom 23.8.1944 bis zum 26.9.1944.

Franz Himpe*

Geb. 14.5.1900, Schlachter, heute Heizungsmonteur, , wohnte früher Außenmühlenweg 1, Schutzhaft wegen KPD-Mitgliedschaft (seit 1929) vom 2.7.1933 bis zum 23.12.1933 im Lager Börgermoor.

Heinrich Jochimsen*

Derzeit Harburg, wohnte früher Mozartstraße 8, Bauführer, wg. Heimtücke und Verächtlichmachung von Staat und Partei vom 13.4.1935 bis zum 1.10.1938 und vom 10.2.1944 bis zum 29.5.1945 im KZ Dachau, KZ Neuengamme, Untersuchungsgefängnis Hamburg und Gefängnis Fuhlsbüttel.

Ernst Lapsien*

Geb. 12.12.1907 in Harburg, derzeit Harburg, Schiffbauer, wohnte früher wie heute Meckelfelder Straße 46a/ Radickestraße 46a, wg. Vorbereitung zum Hochverrat in Verbindung mit dem illegalen KPD-Unterbezirk Harburg vom 20.8.1934 bis zum 21.3.1936 im Untersuchungsgefängnis Uelzen und Gefängnis Lingen.

Marie Lietz*

Geb. 6.8.1898 in Harburg, derzeit Penzweg 91, wohnte früher Hamburger Straße 31und Elisenstr. 2, verh., 2 Töchter, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 2.8.1934 bis zum 12.8.1934 und vom 1.2.1936 bis zum 9.5.1939 Schutzhaft Harburg, Untersuchungsgefängnis Hamburg, Gefängnis Kottbus. Über den Haftgrund ist Konkretes nicht bekannt. 1954 plante sie, nach Stralsund zu ihrer Tochter zu ziehen. Ihr Briefwechsel mit der Wiedergutmachungsbehörde bricht in diesem Jahr ab.

Otto Linke

Derzeit Harburg, Vorbereitung zum Hochverrat, vom 7.6.1933 bis zum 5.6.1935 Untersuchungsgefängnisse Hamburg, Berlin Moabit und Lager 5 Papenburg.

Anton Liska*

Derzeit Harburg, wohnte Kochstraße 5, Dreher, Sabotage und Wehrmittelbeschädigung, vom 2.7.1943 bis zum 12.4.1945 Untersuchungsgefängnis Hamburg und Zuchthäuser Celle und Wolfenbüttel.

Karl Marler*

Geb. 11.7.1883, wohnte früher Sternstraße 12, Dreher, wg. Wehrkraftzersetzung und defaitistischer Äußerungen vom 17.8.1944 bis zum 28.4.1945 in den Untersuchungsgefängnissen Altona und Hamburg. Starb im Juli 1948 an in der Haft verschlimmerter Tuberkulose.

Dora Marr*

Geb. 9.2.95 als Dora Bünz in Breiholz, wohnte früher wie derzeit Wilstorfer Str. 107, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 21.7.1937 bis zum 10.2.1941 im KZ Fuhlsbüttel, Gefängnisse Neumünster, Lübeck, Kottbus. Dora Marrs`Mann war schwer kriegsbeschädigt und starb während ihrer Haft. Sie stand vermutlich mit der KPD in Verbindung, über den Gegenstand und mögliche Mitangeklagte in ihrem Verfahren ist bisher nichts weiteres bekannnt. Ihre zwei Töchter (Jahrgang 1933 und 1936) wurden 1954 im Zusammenhang der Verfolgungen von Mitgliedern der verbotenen FDJ von der bundesdeutschen Polizei inhaftiert.

Wilhelm Meyer

Derzeit Harburg, Vorbereitung zum Hochverrat, vom 29.5.1933 bis zum 5.3.1935 Untersuchungsgefängnisse Harburg und Berlin Moabit, Gefängnis Tegel.

August Neubauer*

Derzeit Fischbek, wohnte früher Lange Str. 14, Arbeiter, wg. Vorbereitung zum Hochverrat, vom 7.11.1937 bis zum 5.8.1938 in Fuhlsbüttel und Berlin Moabit.

Wilhelm Niemann*

Derzeit Harburg, wohnte früher Kasernenstraße 21, Maurerpolier, Schutzhaft vom 28.2.1933 bis zum 24.5.1933 [KPD; s.o. unter Schutzhaft], wg. Vorbereitung zum Hochverrat Haft vom 14.11.1933 bis zum 4.5.1934 und vom 5.5.1934 bis zum 16.5.1936.

Emil Oeltken*

[KPD], derzeit Harburg, wohnte früher Stormstraße 3, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 4.6.1942 bis zum 4.12.1942 KZ Fuhlsbüttel.

Karl Orbanke*

Geb. 22.5.1886 in Harburg; Sozialdemokrat; wohnte früher Bremer Straße 75, Heizungsmonteur bei Lengemann und Eggers, wg. "Aufstellung staatsfeindlicher Lügenmeldungen" vom 11.6.1934 bis zum 14.8.1934 Gefängnis Hannover. Verheiratet, 3 Kinder.

(9) Anlaufstelle für Verfolgte: das "Komitee", Vorläufer der VVN/ BdA

 

Arthur Pahlke*

Derzeit Harburg, wohnte früher Elisenstraße 27, Arbeiter, wg. dauernder Vorbereitung zum Hochverrat (Prozess Durek und Genossen) vom 21.7.1941 bis zum 16.5.1945 Untersuchungsgefängnis Hamburg, Gefängnisse Fuhlsbüttel, Bautzen, Leipzig und Eisenach. Artur Pahlke war von 1931 bis 1933 und ab 1949 in der SPD.[25]

Max Pampert

Derzeit Harburg, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 21.7.1934 bis zum 24.10.1936 im Untersuchungsgefängnis Hamburg und Zuchthaus Rendsburg.

Wilhelm Petersen

Derzeit Harburg, Verweigerung, Juden zu erschießen, v.7.3.1943 bis zum 14.4.1945 Torgau, Börgermoor, Calais.

Richard Plantner*

Derzeit Harburg, wohnte früher Küchgarten 6, Arbeiter, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 15.8.1933 bis zum 15.8.1934 Untersuchungsgefängnis Harburg, Gefängnis Lingen.

Robert Rehder

Derzeit Schwiederstorf, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 12.7.1933 bis zum 20.3.1934, von August bis September 1934 und vom 22.3.1935 bis zum 23.8.1935 KZ Lichtenburg und Esterwegen.

August Rehmers

Derzeit Winsen, früher ebenfalls Winsen, Metallarbeiter, KPD, wg. Vorbereitung zum Hochverrat von März 1933 bis März 1935 Zuchthaus Plötzensee und KZ Sonnenburg.

Horst Sandring

Geb. 30.7.1917, früher Penzweg 76 a, Haft 3.9.1940 bis 23.12. 1940 wg. Heimtücke, angezeigt von den Nachbarinnen Johanna Fischer und Hilda Kilian.

Wally Sandring*

Geb. 27.6.1892, Kindergärtnerin, früher Am kleinen Kanal 13, Wilhelmsburg, Haft vom 30.9.1941 bis zum 13.2.1942 wg. Heimtücke im Zusammenhang mit ihrem Sohn Horst. Gest. 12.8.1949 an Lungenkrebs.[26]

Robert Scharfenberg

Derzeit Harburg, früher Altona, Reichsbahnarbeiter, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 9.8.1939 bis zum 9.8.1940 im KZ Esterwegen.

Alwin Schoknecht*

Derzeit Harburg, wg. Vorbereitung zum Hochverrat vom 14.11.1934 bis zum 28.12.1935 Untersuchungsgefängnis Trier und KZ Esterwegen. Er starb Ende 1947 an einer in der Haft zugezogenen TBC.[27]

 

In Haft genommene Ausländer im Gerichtsgefängnis

In „die anderen“ haben wir ausführlich die Lage der ausländischen Kriegsgefangenen und Zwangsarbeiter dargestellt. In Summe zählten wir ca. 15.000 Menschen, die unter diesem Status in den Harburg-Wilhelmsburger Großbetrieben, Handwerksbetrieben oder in der Landwirtschaft arbeiteten. Rund 72 Lager, Baracken oder Gasthaussääle, die ihrer Unterkunft dienten, sind heute bekannt.

Beständige Strafandrohung war ein wesentliches Element der Zwangsarbeit. Auch, dass diese Drohung freigiebig in die Tat umgesetzt wurde. Die Bestrafungen von Kriegsgefangenen, die der Wehrmachtsverwaltung unterstanden, wurden in der Regel durch die Übergabe der Gefangenen an die Gestapo eingeleitet. Polnische, russische, serbische etc. Kriegsgefangene sowie die gepressten osteuropäischen „Zivilarbeiter“ wurden direkt der Gestapo ausgeliefert. Die Gestapo entschied dann, ob die Beschuldigten direkt in ihrem Lager bestraft wurden, in ein „Arbeitserziehungslager“ (auch „Gestapogefängnis“ genannt) oder ein KZ überstellt wurden.

Bei den westeuropäischen Zivilarbeitern blieb die Gestapo zunächst außen vor. Im Archivbestand des Amtsgerichtes Harburg konnte eine Liste gefunden werden, die alle ausländischen Insassen des Gerichtsgefängnisses zwischen April 1939 und August 1945 verzeichnet. Es handelt sich um ca. 200 Franzosen und ca. 120 Holländer, die hier wegen vermeintlicher Straftaten festgesetzt worden waren, um im Anschluss ein formelles amtsgerichtliches Strafverfahren zu durchlaufen, oder zur Verbüßung einer auf diesem Wege erteilten kurzfristigen Haftstrafe.

Überblickt man diese Liste hinsichtlich der aufgeführten Straftaten, erkennt man zu etwa 85 % Diebstahlsvorwürfe, zu 5 % Arbeitsverweigerung, zu 5 % Tätlichkeiten. Die restlichen 5 % der Anzeigen betreffen Vergehen gegen die zahlreichen repressiven Bestimmungen politischer und rassistischer Art (Ausweisvergehen, Umgang mit Kriegsgefangenen, Feindbegünstigung, Nichtablieferung von Flugblättern usw.).[28]

Man wird in den Diebstahlsfällen in der Hauptsache Mundraub vermuten können, als Reflex einer sehr schlechten Versorgung. Sämtliche dieser Anzeigen konnten, ob mit oder ohne amtsgerichtlichem Verfahren, leichte bis schwerste Strafen bis zur Hinrichtung nach sich ziehen.

 

Ein weiteres Todesopfer

Am Ende dieses Nachtrags soll die Erinnerung an ein Harburger Todesopfer der Nazis stehen, dessen Schicksal wir erst im Herbst 2016 entdecken konnten. Der Matrose Heinrich Ahrens, der vor 1933 in der Harburger KPD wirkte, wurde von einem Militärgericht der Dienststelle "Admiral Atlantikküste, Zweigstelle Bordeaux" wegen Wehrkraftzersetzung zum Tode verurteilt und am 9. Juli 1943 erschossen. Er war ziviler Seemann auf dem Handelsschiff „Tannenfels“ gewesen, das nach Kriegsausbruch auf See von der deutschen Kriegsmarine aufgebracht und requiriert und als Blockadebrecher eingesetzt worden war.

 

 

(10) Heinrich Ahrens 1906 - 1943

Ahrens soll angeblich anlässlich eines Gefechts mit amerikanischen Schiffen Zweifel am deutschen Endsieg geäußert und die Mannschaft zur Meuterei und Desertion aufgefordert haben.[29] Eine ausführliche Darstellung des Falles in einem eigenständigen Beitrag findet sich hier.

 

Resümee

Die in Summe nicht unerhebliche Zahl ermittelter weiterer Verfolgungsfälle mag überraschen. Sie macht aber zugleich klar, dass bei intensiver Nachforschung sich der flächendeckende Charakter der nationalsozialistischen Verfolgung immer deutlicher herausarbeiten lässt. Man findet immer weitere Fälle, wenn man nur tiefer gräbt. Hierbei kommt in den letzten Jahren der privaten Familienüberlieferung und –forschung eine immer wichtigere Rolle zu, während die Bestände der staatlichen Archive weitgehend gesichtet sind. Allerdings liefern speziell die Wiedergutmachungsakten, bei denen in den letzten Jahren die Sperrfristen nahezu gänzlich abgelaufen sind, immer noch Funde.

Die hier nachgetragenen Verfolgungsfälle entsprechen in ihrer Art den bisher schon bekannten und dargestellten Ereignissen. Die nationalsozialistische Verfolgung konzentrierte sich in der industriellen Großstadt Harburg-Wilhelmsburg in besonderer Weise auf die Arbeiterbewegung und die durch diese geprägte Verwaltung. Der Verfolgungseifer erreichte dabei ein Ausmaß, das nur in der rassistischen Verfolgung der Juden noch übertroffen wurde. In beiden Verfolgungsstrategien wirkten nicht zuletzt auch materielle Interessen mit („arisierte“ Vermögen, freiwerdende Posten im Staatsdienst).

In Zahlen gefasst stellen sich die heute bekannten Fälle insgesamt wie folgt dar:

Unterdrueckte_NS-Zeit_Harburg-Wilhelmsburg

Dass diese Zahlen selbstverständlich mit der gebotenen Vorsicht zu betrachten sind, sei an zwei Positionen näher erläutert:

Der Balken der „Unterdrückten“ scheint sehr hoch – und ist es auch. Erfasst werden hier alle diejenigen, denen die ersatzlose Beseitigung eines ihr Leben wesentlich bestimmenden Organisationszusammenhanges zum einschneidenden Erlebnis werden musste: dem Wegfall der Möglichkeit, die eigene Meinung zu sagen und die eigenen Interessen zu vertreten. Dies galt in hohem Maße für Partei- und Gewerkschaftsmitglieder und Angehörige von Religionsgemeinschaften, aber auch für Mitglieder stark weltanschaulich bestimmter Gemeinschaften wie Freidenker, Freimaurer, Arbeitersportler usw. . Weil in der modernen Industriestadt Harburg-Wilhelmsburg eine starke Arbeiterbewegung und ein sehr vielgestaltiges Vereinswesen beheimatet waren, waren auch viele Menschen von nationalsozialistischen Organisationsverboten betroffen.

Der Balken der bekannten „Verfolgungsfälle“ erscheint optisch dagegen klein. Ist er es tatsächlich? Oder ist die Frage, ob klein oder groß, überhaupt nebensächlich gemessen an dem moralischen Problem, das ja schon die absolute Zahl 2500 aufwirft? Wie auch die Zahl der etwa 350 Ermordeten, die hierin mitgezählt sind?

Zunächst ist zu bedenken, dass viele Fälle von faktischer Verfolgung in die Zählung nicht eingehen konnten, da sie in den Akten nur schwer als Folge nationalsozialistischer Maßnahmen identifizierbar sind oder in Akten landeten, die später nicht mehr als bedeutsam angesehen und vernichtet wurden. Beispiele für ersteres sind Emigration oder Selbstmord, für das Zweite die massive Ausweitung von Maßnahmen gegen „Kriminelle“, „Asoziale“ oder „Minderwertige“ aufgrund neugeschaffener Tatbestände im Straf- und Ordnungsrecht. Diese Verfolgungsfälle sind heute vermutlich nicht mehr in Zahlen zu fassen.

Es gibt aber dennoch viele gute Gründe, bewertbare Zahlen anzustreben. Man kann sich ja auf definierte Fallkonstellationen konzentrieren, die dann für Vergleichsorte mit gleicher Methodik erhoben werden. Manche in der Forschung herumgeisternde Vermutung über „milde“ und „scharfe“ nationalsozialistische Repression, ihre jeweils möglichen sozialen, konfessionellen und kulturellen Hintergründe könnte auf diesem Wege geprüft werden. Auch Unterschiede im Grad der Brutalität, je nach Feindgruppe, auf deutschem oder besetzten Boden, würden erkenn- und diskutierbar.

Allerdings ist die Forschung in der Breite noch nicht auf diesem Stand angelangt. Es fehlen klare Definitionen des Verfolgtenbegriffs, nahezu vollständige örtliche Falllisten und daraus abgeleitete Kennzahlen, die Vergleiche erlauben würden. Ein Rückgriff auf eigene Forschungen zu anderen Regionen, die auf gleichen methodischen Festlegungen beruhen, erlaubt immerhin eine Trendaussage: Das Harburger Verhältnis von Verfolgungsfällen zur Einwohnerzahl (1:44) wirkt im Vergleich mit den nordfriesischen Kleinstädten Friedrichstadt (1:38) und Tönning (1:110) eher als ein hoher Wert. Denn auch Friedrichstadt hatte eine entwickelte Arbeiterbewegung und dazu eine sehr große jüdische Gemeinde, und Tönning war ein Werftstandort mit starker kommunistischer Bewegung. Dagegen liegt der Wert für den ganzen Kreis Eiderstedt, wo es 1933 Kommunisten eben nur in Tönning und überhaupt keinen jüdischen Einwohner gab, bei 1:462.

***

  

** Günther/Markert/Meyer/Möller: Stolpersteine in Hamburg-Harburg und Hamburg-Wilhelmsburg. Biographische Spurensuche, Hamburg 2012 (erhältlich über die Landeszentrale für politische Bildung, Hamburg).

 

Anmerkungen

[1] Staatsarchiv Hamburg (StAH) 430 Harburg 5, 1411 Nr. 10; StAH 351-11 Nr. 17670; StAH 351-11 Nr. 25603; vgl. Bundesarchiv Berlin (BA) BY5/ V 279/ 81. Soweit hier und im folgenden Text Parteizugehörigkeit und Namensbestandteile in eckigen Klammern notiert sind, ergeben sie sich nicht aus der zitierten Akte, sondern sind durch andere Kontexte belegt. Vgl. hierzu die Darstellung der Quellenlage in Linke 2007

[2] Prozess Ratschat: StAH 351-11 Nr. 34672; vgl. Naujoks, Harry: Mein Leben im KZ Sachsenhausen, Köln 1987, S. 241. Naujoks erinnert hier irrtümlich "Ratschak". Prozess Bienwald: Staatsarchiv Stade (StAS) Stade 171 a Nr. 185. Urteil Dahms u.a.: BA R 3003 8 J 947/ 33; vgl. StAH351-11 Nr. 38521 sowie die anderen, S. 92 f. Urteil Schmidt: StAH 351-11 Nr. 19342. Urteil Boldt u.a.: StAH 430-64 II B5. Zu Karl Till vgl. StAH 351-11 Nr 13975. Zum Charakter der Siedlung vgl. Hellberg/ Albrecht/ Grunert: Harburg und Umgebung, Hamburg 1999, S. 46. Vgl. zu Dringelburgs weiterem Schicksal Stolpersteine 2012, S. 93 f. (auch unter http://www.stolpersteine-hamburg.de/index.php?&MAIN_ID=7&p=47&BIO_ID=2508).

[3] Prozess Hartmann u.a.: StAH 351-11 Nr. 25221; zum Wilhelmsburger Prozess (Trampenau u.a.) vgl. die anderen, S. 75 ff. Zum Prozess Einhaus u.a.: StAH 351-11 Nr. 21325; StAH 351-11 Nr. 20285; StAH 351-11 Nr. 36490; StAH 351-11 Nr. 19648; StAH 351-11 Nr. 24595; StAH 351-11 Nr. 28856; StAH 351-11 Nr. 33475; vgl. die anderen, S. 56, 88 f., 336. Zum Fall Fassbender: StA Hann Nds. 110 W Acc. 91/ 92 Nr. 611; StAH 351-11 Nr. 12640. Zum Prozess Abromeit: StAH 351-11 Nr. 15904. Zum Prozess Hesse: StAS Stade 171 a Nr. 195. Zum Prozess Krüger: StAS Stade 171 a Nr. 209. Zum Prozess Burmeister u.a.: StA Hann Nds. 110 W Acc. 84/ 90 Nr. 2515. Zum Prozess Barkowski: StAH 351-11 Nr. 35113. Zum Prozess Maak: StAH 213-11 Nr. 0365/ 37. Zum Prozess Rubbert: StAH 351-11 Nr. 33601; vgl. auch Eiber, Ludwig: Arbeiter und Arbeiterbewegung in der Hansestadt Hamburg in den Jahren 1929 bis 1939, Frankfurt/ M 2000, S. 374 ff. Zur Fahndung Korsen: BA R 58/ 9686. Zum Prozess Vondran: StAH 213-11 Nr. 0419/ 40. Zum Prozess Schröder u.a.: StAH 213-11 Nr. 5900/ 42. Zum Prozess Buss: StAH 213-11 Nr. 1600/ 44. Zum Prozess Rannetshauser 2: StAH 351-11 Nr. 19648. Zum Prozess Nickschus: StAH 351-11 Nr. 25603. Zu den Prozessen Behrens und Lenge: StAH 213-11 Nr. 6468/ 42, Nr. 5149/ 42. Zum Prozess Fuchs: StAH 213-11 Nr. 0078/ 44, 351-11 Nr. 22530.

[4] StAH 430-5 1104 F Nr 4. Zu Erich Freyberg vgl. StAH 131-11 Nr. 1261. Zu Oellerich und Harms vgl. StAH 430-6 Nr. 66.

[5] Gotthardt, Christian: Die radikale Linke als Massenbewegung. Kommunisten in Harburg-Wilhelmsburg, Hamburg 2007, S. 56 f.

[6] Gotthardt, Christian: Der Wandervogel. Ernst Riggert 1902 bis 1977. Zu Kuhrs s. http://svneugraben.de/main/?page_id=74, 5.2.2015, ferner Mitteilung von K.Schultz an den Autor 2015.

[7] StAH 430-5 1701 Nr. 20.

[8] Zu Niepage: Hamburger Adressbuch 1943. Heinrich Alberti, geb. 17.1.1897 in Biebrich, starb am 9.5.1945 in Lüneburg; StA Hann Nds 110 W Acc. 118/ 95 Nr. 133. Zu Maack, geboren 1888: StA Hann Hann. 180 Lün. Acc. 3/151 Nr. 101.

[9] Dem Autor mitgeteilt von Hedwig Gotthardt.

[10] Steffen, Jens-Peter (Hrsg.): Jochen Steffen. Personenbeschreibung. Biographische Skizzen eines streitbaren Sozialisten. Kiel 1997.

[11] StAH 430-5 1104 F Nr. 5, StAH 430-6 Nr. 141. Einige der hier notierten Angaben enthält die Personalakte Rüdemann: StAH 430-6 Nr. 158.

[12] StAH 430-5 1104 F Nr. 14.

[13] StAH 430-5 1104 F Nr. 4, Nr. 5.

[14] Ebd.; StAH 430-5 1104 F Nr. 6; StAH 430-6 Nr. 158; speziell zum Krankenpfleger Heinke StAH 131-11 Nr. 1516, StAH 351-11 Nr. 31666 und jüngst den Artikel "Tauchstation Werbung" auf dieser Website. Zu Klink und Kuhlmann StAH 351-11 Nr. 17628. Zu Hugo Reimers Staatsarchiv Stade (StAS), Stade 171 a Nr. 182. Zu Hans Rubbert StAH 351-11 Nr. 33601.

[15] StAH Findbuch Bestand 430-6. Zu Bergmann StAH 430-6 Nr.9; zu Hagenow StAH 430-6 Nr. 62.

[15 a] StAH 351-11 Nr. 38162; StAH 351-11 Nr. 33475; StAH 351-11 Nr. 25603; StAH 351-11 Nr. 23924.

[16]Weissbuch der Deutschen Opposition gegen die Hitlerdiktatur. Geleitwort von Hans Vogel, London 1946. Ein Auszug wurde später veröffentlicht in: Aufwärts, Jugendzeitschrift des Deutschen Gewerkschaftsbundes (Brit. Zone) Nr. 4, Jahrgang 1, 1948 (s. das Faksimile unter http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/GerRecon/auf1948July31/reference/history.auf1948july31.i0021.pdf, 1.2.2015). Vgl. Gottwaldt, Alfred: Eisenbahner gegen Hitler: Widerstand und Verfolgung bei der Reichsbahn 1933-1945, Wiesbaden 2009, S. 49 ff.

[17] Wilhelmsburger Adressbuch 1931.

[18] Wilhelmsburger Adressbuch 1934.

[19] StAH 430-5 1102 B Nr. 5.

[20] Adressbücher Harburg, Wilhelmsburg und Hamburg, passim.Zu Querfurth ferner: StA Hann Nds 120 Lün Acc. 122/ 96 Nr. 109.

[21] StAH 430-5 6104 Nr. 1.

[22] Peters, Jan: Exilland Schweden, Weimar 1984, S.70.

[23] Müssener, Helmut: Exil in Schweden, München 1974, S.461.

[24] StAH 430-5 6104 Nr.1. Vgl. zu: Franz Himpe StAH 351-11 Nr. 23434; Ernst Lapsien: StAH 351-11 Nr. 32579; Marie Lietz: StAH 351-11 Nr. 20806; Karl Marler: StAH 351-11 Nr. 6663; Dora Marr: StAH 351-11 Nr. 17318; Karl Orbanke: StAH 351-11 Nr. 8943; Horst und Wally Sandring StAH 351-11 Nr. 14799 u. 42517.

[26] Möglicherweise verschwägert mit dem Wilhelmsburger Sozialdemokraten Albert Sandring, geb. 10.5.1905, wg. Vorbereitung zum Hochverrat in Gefängnishaft 1934-36 , im Strafbataillon 999 von 1944-45; ebd.

[27] Sohn der Harburger Kommunisten Karl und Rosa Schoknecht. Vgl. die anderen, S.122. Grund seiner Verhaftung war vermutlich nur das Hochverratserfahren gegen seine Eltern im Rahmen der Prozesse gegen den illegalen KPD-Unterbezirk 1934/35. Ihm war nichts nachzuweisen, er reiste als Handelsvertreter und war selten in Harburg; StAH 351-11 Nr. 38107.

[28] StAH 430 – 64.

[29] StAH 213-12 Nr. 0718.

 

 

Bildnachweis

(1) Archiv Gotthardt

(2) Staatsarchiv Hamburg

(3) Staatsbibliothek Hamburg

(4) Archiv Gotthardt

(5) Foto aus dem Nachlass Schadow, Kunsthaus Stade 2014

(6) Archiv Gotthardt

(7) Helms-Museum; veröffentlicht in Hellberg/ Albrecht/ Gruner: Harburg und Umgebung, Hamburg 1999, S. 100

(8) die anderen

(9) Archiv Gotthardt

(10) Archiv Ahrens

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