Mail aus Göteborg

Neue Nachrichten über Gustav „Scheini“ Martens

Text: Christian Gotthardt

Veröffentlicht im November 2015






















(1) Gustav Martens in Madrid Ende März 1937

In Reaktion auf den Artikel "Neue Aktenfunde..." vom Februar dieses Jahres traf nun überraschend eine Mail aus Göteborg ein. Ivan Martens, der Enkel von Gustav Martens, übermittelte uns den Link zu seiner Website, auf der er das Album seines Großvaters über dessen Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg 1937 – 1939 veröffentlicht hat. Es ist ein bewegendes, kostbares Dokument.

Unser Kenntnisstand über Gustav Martens Schicksal reichte bislang nur bis zum Zeitpunkt seiner Flucht aus Hamburg 1935. Wir wussten, dass er nach Göteborg ging, dann als "cabo" einer Flakstellung nach Spanien, dann wieder nach Göteborg. Das wars dann schon.

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MINNE FRÅN SPANIEN

 

 

Zu einigen im Album erwähnten Personen aus Hamburg:

Zu Gustav Martens selbst: Wie Ivan Martens mitteilt, wurde sein Großvater am 10. April 1910 in Welle, Kreis Harburg, geboren und starb am 17. September 1977 in Göteborg. Er wuchs bei Pflegeeltern in Harburg-Wilstorf auf, dem Arbeiter Peter Martens und seiner Frau Margarethe. Gustav Martens lernte Metallverarbeitung und arbeitete in Hamburger Großbetrieben, u.a. bei Blohm & Voss. Nach seiner Flucht über Dänemark blieb er im schwedischen Göteborg. 1947 haben er und Ebba Magnusson (1913 – 1984) dort geheiratet, 1948 kam die Tochter Margareta zur Welt. Wie die letzten Fotos des Albums vermuten lassen, war Gustav Martens (dem Anschein nach in den 1950er und 1960er Jahren) zu Besuch in der DDR und in Hamburg. Ein Bild am linken Rand zeigt eine Veranstaltung in einem typischen DDR-Kulturhaussaal, das Bild rechts daneben eine Gedenkfeier am Denkmal für die KZ-Opfer auf dem Ohlsdorfer Friedhof.

Paul Brüggemann: Harburger, geb. 25.6.1912. Seine Aktivitäten im kommunistischen Widerstand sind beschrieben in die anderen. Er ging nach dem Spanischen Bürgerkrieg nach Schweden und blieb dort auch nach 1945.[1]

Adolf Lemke: Bekannter Hamburger Freistilringer. 1933 wegen KPD-Aktivität im KZ Dachau. Sollte nach Freilassung auf Geheiß der Nazis einen internationalen Wettkampf unter dem Namen eines anderen Ringers bestreiten. Er weigerte sich und kam zeitweilig erneut nach Dachau. Später Flucht aus Deutschland nach Spanien. Nach 1945 in der DDR.[2]

(2) Gustavs Einheit, die 14. Flak-Batterie "Georgi Dimitroff". Links Ladekanonier Adolf Lemke.

 

Bruno Meier: Ursprünglich Österreicher, Schüler der Hamburger Lichtwark-Schule, ging nach dem Spanischen Bürgerkrieg nach Mexiko und betrieb dort über Jahrzehnte eine Farbenfabrik.[3]

Werner Wischmann: Nach dem Bürgerkrieg in Fuhlsbüttel in Haft. Im Juni 1945 im Auftrag der Berliner KPD-Zentrale Reise von Hamburg nach Stockholm und Mitwirkung bei der Remigration kommunistischer Exilanten nach Deutschland. Dabei nur bedingt erfolgreich, weil zu diesem Zeitpunkt die Bedingungen der Remigration (Sozialversicherungsansprüche, Familiennachzug, Möbeltransport etc.) für die in der Regel durch Arbeit und Familie gebundenen Exilanten nicht befriedigend geklärt werden konnten.[4] Danach KPD-Arbeit in Hamburg. 1961 Verurteilung zur zweieinhalb Jahren Gefängnishaft wegen illegaler politischer Tätigkeit.[5]

Paul Tausendfreund: geb. 7.6.1909.

Hans Tiede (gemeint ist Hans Thieme): ab 1934 Hamburger KJVD-Leiter im Widerstand, dann Spanien.

Karl Bur (gemeint ist Hein Buhr).[6]

  

]

(3) Hamburger Interbrigadisten, im März 1937 in Albacete: In Martens Album erwähnt werden Hans Reichardt (2. links oben) und Hans Bendfeldt (unten rechts). 

 

Von den erwähnten weiteren Deutschen sind bekannt:

Karl Deutscher (25.9.1907 – 7.10.1965)

Nach dem Krieg in der DDR. Seine Erlebnisberichte wurden Grundlage einer Veröffentlichung über die 14. Flak-Batterie.

 

Albert Giebel (13.11.1899 - 14.12.1975)

Politkommissar, später Kommandant der 14. Flak-Batterie. Später in der DDR Oberst der Polizei und der Grenztruppen.

(4) Albert Giebel, vorne kniend im hellen Hemd, vor seiner Zeit bei "Dimitroff" bei der Flak-Batterie "Skoda".

 

Max Kahane (31.1.1910 – 21.8.2004)

KPD. Nach dem Spanischen Bürgerkrieg in der französischen Resistance, illegale Parteileitung in Marseille, ab 1945 DDR: Chefredakteur der Nachrichtenagentur ADN, Korrespondent in Prag, Paris und Neu Delhi, Chefredakteur der Berliner Zeitung, Redaktion Neues Deutschland.

(5) Max Kahane in seiner Zeit als Korrespondent in Indien

 

Anton Lindner (? - 19.5.1944)

Nach Spanien in der französischen Resistance, von deutschen Besatzern erschossen (Massaker von La Parade/ La Borie).

(6) Toni Lindner, rechts sitzend, in einer Kommando-Gruppe der Resistance 

 

Karl Preuss (1904 - 1980)

Geboren im Kreis Löbau/ Provinz Westpreußen, Arbeiter. 1924 bis 1926 Bau- und Landarbeiter in Argentinien. 1930 KPD.1933 KZ Sonnenburg, ab Juni 1934 in Schweden. Mitarbeit im Hilfskomitee für deutsche Flüchtlinge in Göteborg. Ab Januar 1937 bei den Internationalen Brigaden in Spanien. Februar/ März 1939 Internierung in Frankreich, ab April 1939 wieder in Schweden, Arbeit als Maschinist. Seit März 1946 SBZ/ DDR, als Agrarpolitiker in Mecklenburg-Vorpommern, ab 1950 Parteisekretär in Berlin.

 

Reinhold Rau (26.8.1898 – 13.2.1970)

Später Parteiveteran und Autor in der DDR.

 

Oskar Reissing (6.10.1898 - 31.8.1988)

6 Jahre KZ Sachsenhausen, ab 1945 Vorsitzender der VVN in Westberlin. 1962 entgeht er einem politischen Prozess durch Übersiedlung in die DDR.

(7) Reissings Mitgliedsausweis der VVN Westberlin

  

Erwähnte Schweizer, die näher identifiziert werden konnten,

zit. nach dem Biographischen Handbuch der IG Spanienfreiwillige (http://www.spanienfreiwillige.ch/handbuch.html#d)

 

Alt, Hermann (Füllinsdorf 15.12.1910; Zürich 5.11.2000): 545-6-1477, 545-6-1478, RGASPI; Dossier H. Alt (1937, 1938), MJ (E 5330), BAR, insbes. Brief an Eltern (5.1.1937); Archiv IG; P. Huber, Stalins Schatten, S. 295; H. Alt heiratet später eine Russin und wandert in die Sowjetunion aus, aus der er Anfang der 1960er-Jahre enttäuscht wieder zurückkehrt.

Dill, Adolf (Basel 4.4.1918; Spanien 1.4.1938): 545-6-1477, 545-6-1483, RGASPI; Dossier A. Dill (1938), MJ (E 5330), BAR, insbes. Erklärung K. Karcher zur Abreise von Dill (2.12.1937), Brief Dill an Karcher (18.1.1937).

Dobrew, Rudolf (Zürich 25.7.1915; Zürich 20.8.1979): 545-6-1477, 545-6-1483, RGASPI, insbes. "Information betr. Dobrew" (7.12.1937); Dossier R. Dobrew (1938), MJ (E 5330), BAR, insbes. Einvernahme (8.8.1938), Brief an KP-Jugend (5.11.1936). Auskunft Zivilstandsamt Zürich.

Graf, Walter (Menziken 10.1.1909; Menziken 6.9.1968): 545-6-1477, 545-6-1487, RGASPI, insbes. Politische Einschätzung (6.8.1938); Dossier W. Graf (geboren 1909; 1939), MJ (E 5330), BAR, insbes. Einvernahme (5.3.1939).

Graf, Walter «Moritz» (Thal 2.7.1916; Zürich 20.11.1978): 545-6-1487, RGASPI, insbes. Fragebogen (28.9.1937), Notiz Thoma (28.12.1938); Dossier W. Graf (geboren 1916; 1937, 1939), MJ (E 5330), BAR, insbes. Einvernahme (14.1.1939), Zeugenaussage Mutter (2.7.1937), Zeugenaussage Bruder (5.7.1937); Liste Polizeiabteilung EJPD (30.12.1938), in: E 2001 (D) 1, Bd. 175, Dossier "Rücktransport der Spanienfahrer", BAR. R. Hug, St. Gallen – Moskau – Aragón, S. 177-178, 244, 246.

Lehmann, Hans (Grindelwald 17.7.1911; Bern 23.4.1982): 545-6-1477, 545-6-1492, RGASPI, insbes. Fragebogen (Valencia, 21.8.1938); Dossier H. Lehmann (1938, 1939), MJ (E 5330), BAR.

Pfister, Otto (Küsnacht 14.8.1905; Basel 28.11.1968): 545-6-1477, 545-6-1496, RGASPI, insbes. Demobilisierungs-Fragebogen (5.12.1928); Dossier O. Pfister (1939), MJ (E 5330), BAR, insbes. Einvernahme (24.6.1939), Polizeibericht (11.6.1937), Einvernahme Elvira Schwick (23.11.1936); Polizeiabteilung EJPD an Abteilung für Auswärtiges des EPD (17.3.1939), in: E 4320 (B) 1974/47, Bd. 83, Dossier "Rückkehr Schweizer Spanienfahrer", BAR.

Syz, Heinrich (Horgen 30.1.1892; Spreitenbach 8.9.1953): 545-6-1477, 545-6-1500, RGASPI, insbes. Lebenslauf (22.4.1937); Dossier H. Syz (1940), MJ (E 5330), BAR, insbes. Einvernahme (29.12.1939), Polizeibericht (6.1.1940); Auskunft Bürgergemeinde.

 

 

Erwähnte Österreicher, die näher identifiziert werden konnten,

zit. nach Spanien online (http://www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online)

 

Furch, Bruno ( bei GM: Furcht)

geb. 20. 7. 1913 in Wien. Lehrer und bildender Künstler. Ledig.

SAJ. KJV. Am 21. 3. 1933 und am 19. 7. 1937 wegen staatsfeindlicher Tätigkeit verhaftet. Nach der Besetzung Österreichs im März 1938 nach Spanien. XI. IB/Transmissionskompanie. 1939 Saint-Cyprien, Gurs und Le Vernet. Ab 1. 5. 1941 Dachau. 18. 7. 1944 - 28. 4. 1945 Flossenbürg. Nach der Befreiung Parteiangestellter der KPÖ, ab 1949 Redakteur der "Volksstimme", ab 1970 Mitglied des ZK der KPÖ und stellvertretender Chefredakteur der "Volksstimme". Grafikzyklen zu Bürgerkrieg, Lagerhaft und Widerstand. Autor von Erzählungen und politischen Essays: "Allen Gewalten zum Trotz" (1993); "Das schwache Immunsystem" (1995). Gestorben am 11. 1. 2000 in Wien.

 

Geider, Anton

geb. 25. 6. 1910 in Wien. Maler und Anstreicher.

Aus Österreich nach Spanien. 22. Division. Ab 1939 Französische Fremdenlegion. Am 5. 7. 1941 in Karlsruhe festgenommen. 25. 8. 1941 - 20. 11. 1942 Dachau, dann Mauthausen. Am 1. 7. 1943 laut Blauer Kartei "auf der Flucht erschossen".

 

Habelt, Walter

geb. 12. 1. 1916 in Wien. Schriftsetzer.

Im August 1936 aus der ČSR nach Spanien. 35. Brigade/8. Division. Sergeant. Ab 25. 1. 1944 Sachsenhausen.

 

Meischl, Georg

geb. 24. 2. 1893 in Wien. Drehergehilfe. Verheiratet.

1934 Standgerichtsverfahren. Flucht über die ČSR in die Sowjetunion. Charkow, Traktorenwerk. Von dort nach Spanien. 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien. Mit dem zweiten Transport am 14. 4. 1939 zurück in die Sowjetunion. 1947 Rückkehr nach Österreich. Gestorben am 9. 10. 1963 in Wien.

[(8) Georg Meischl

 

Rossmann, Franz

geb. 24. 9. 1908 in Fohnsdorf. Bergmann. Ledig.

KPÖ. 1934 Flucht in die ČSR. Zum Jahreswechsel 1936/37 aus der ČSR nach Spanien. 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien, Gurs, Mont-Louis. 3. 5. 1941 - 29. 4. 1945 Dachau. 1946-1949 Angestellter der Bergarbeiterversicherungsanstalt in Graz. Gestorben am 9. 2. 1982 in Judenburg.

 (9) Franz Rossmann

 

Rührl, Johann (bei GM: Rühl, Hans)

geb. 7. 10.1913 in Wiener Neudorf. Schlosser.

Mödling. Im November 1936 aus Österreich nach Spanien. XIII. IB und 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien, Gurs. Juni 1941 Gestapohaft in Wien. Ab 7. 8. 1941 Dachau. AK Friedrichshafen. Am 22. 5. 1944 im AK Friedrichshafen bei einem Bombenangriff umgekommen.

(10) Nach der Demobilisierung 1938 in Albussafes: v.l. unbekannt, Johann Griebaum, Josef Wurmböck, Herbert Lenhart, Johann Rührl, Leopold Jansa.

(6)  

Rusch, Otto ist Lenhart, Herbert

geb. 8. 1. 1914 in Triest. Schlosser. Verheiratet, 1 Kind.

Kapfenberg. SAJ. KPÖ. 1934 Flucht in die ČSR. 1936 in die Sowjetunion. Kolomna bei Moskau. Ende 1936 von dort nach Spanien. 14. Flak-Batterie. Politkommissar. 1939 Rücktransport in die Sowjetunion. Kolomna. Arbeit in einer Maschinenfabrik. 1941 Evakuierung nach Kirow. Im selben Jahr freiwillige Meldung zur Roten Armee.

Laut Ferdinand Erb 1944 während eines Partisaneneinsatzes in der Slowakei bei einem Lawinenabgang ums Leben gekommen.

 

Steffel, Walter

geb. um 1893. Metallarbeiter. Verheiratet, 3 Kinder.

KPÖ. Im Dezember 1937 aus der Sowjetunion nach Spanien. Auf Versetzungsliste zur 14. Flak-Batterie vom 13. 1. 1938. 1939 Saint-Cyprien, Gurs.

 

Stöckl, Josef (bei GM: Stöckel)

geb. 25. 3. 1907 in Vöcklabruck. Schmied.

Gnigl bei Salzburg. Im Februar 1937 aus Österreich nach Spanien. 86. Brigade und 14. Flak-Batterie. Ende 1937 bei einem Fliegerangriff an der spanischen Südfront ums Leben gekommen.

 

Strauß, Jakob

geb. 19. 6. 1909 in Malborghet bei Tarvis/Tarvisio. Schuhmacher. Ledig.

Dellach (Kärnten). Im Juni 1936 wegen politischer Verfolgung in die ČSR. Im August 1936 Rückkehr nach Österreich und von dort im Dezember 1936 nach Spanien. 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien, Gurs, Argelès, Mont-Louis. Ab 4. 5. 1941 Dachau. Im AK Trostberg befreit. Nach 1945 Villach. Bezirksleitung der KPÖ. Bezirksobmann des KZ-Verbandes. Gestorben am 5. 4. 1989 in Villach.

 

Strobl, Oskar (bei GM: Strobel) ist Griebaum, Johann

geb. 25. 10. 1907 in Wien. Elektromechaniker. Verheiratet, 1 Kind.

SAJ. SchB. KPÖ. 1934 Flucht in die Sowjetunion. Im November 1936 von dort nach Spanien. XIII. IB und 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien. Am 14. 4. 1939 mit dem zweiten Transport zurück in die Sowjetunion. Ab 1941 Angehöriger der Roten Armee. Am 28. 7. 1944 nach Jugoslawien und von dort zur Kampfgruppe Steiermark. Nach der Befreiung Rückkehr nach Wien. Personalchef bei der SMV. Ab 1955 Mitarbeiter von Sowexport-Film. Gestorben am 11. 1. 1992 in Wien.

 

(11) Johann Griebaum (li) mit Georg Meischl

 

Studener, Ferdinand

geb. 13. 10. 1913 in Freistadt. Spengler und Glaser. Ledig.

Hohenfurth/Vyšší Brod (Böhmen). Im Dezember 1936 aus Österreich nach Spanien. 11. 8. 1941 - 29. 4. 1945 Dachau.

 

Zdolsek, Richard

geb. 5. 11. 1908 in Wien. Gerber. Ledig.

KJV. KPÖ. Im November 1936 aus Österreich nach Spanien. Ski-Baon und 14. Flak-Batterie. 1939 Saint-Cyprien, Gurs. In Juni 1940 Flucht in die Schweiz, aufgegriffen und nach Frankreich zurückgestellt. Im Juli 1940 Wien. 1943 Einberufung zur Deutschen Wehrmacht. Im September 1944 Desertion in Italien. Angehöriger einer italienischen Partisaneneinheit. 1945 Rückkehr nach Wien. Arbeit in der Stadlauer Lederindustrie.

Vermisst am Matterhorn seit August 1950, Todeserklärung von 1955.

 

Erwähnte Brigadisten anderer Nationalität, die identifiziert werden konnten:

Andersson, Jonny

Schwede, geboren in Göteborg. 1939 gefallen.

 

Nielsen, Aage

Däne.

 

Nancarrow, Conlon

Nordamerikaner, geb. 27.10.1912 in Texarkana.

Komponist. KPdUSA. Soldat in der Abraham Lincoln Brigade. 1947 aus politischen Gründen Übersiedlung von New York nach Mexico. Gestorben in Mexico-City 10.8.1997.

(12) Conlon Nancarrow 1932

 

Persoff, James

Nordamerikaner, geb. 17.2.1912.

Fotograph. Ledig.  Kam im Februar 1937 nach Spanien. Kehrte im Februar 1939 nach New York zurück. Starb 7.8.1989 in  New York.

(13) Jim Persoff in Spanien

 

(14) V.l.n.r.: Grunsberg, Ed Lending, Jim Persoff, Conlon Nancarrow

 

 

Gustav Martens Radio-Manuskript (im Original in schwedischer Sprache)

In den letzten Tagen hat Ivan Martens seine Album-Veröffentlichung durch Material aus Gustav Martens Nachlass ergänzt. Ein Text, der für das Verständnis des Albums von großer Bedeutung ist, ist im Folgenden in einer Übersetzung wiedergegeben: 

[Vorbemerkung von Ivan Martens:] Am 19/9 1976 brachte das Schwedische Radio eine Sendung, an der Gustav und viele andere teilnahmen. Er schrieb ein Drehbuch dafür, ich weiß nicht, ob alles, was er darin notierte, auch in die Sendung kam, aber ich reproduziere sein Manuskript hier in vollem Umfang.

Ich kämpfte in Spanien in den Internationalen Brigaden. Das war nur eine logische Fortsetzung des Kampfes, den ich in Hitler-Deutschland gegen die Diktatur, gegen Faschismus und gegen den Krieg geführt hatte. Nur wenn der Faschismus verlor, konnten wir Spanien retten und den Frieden in der Welt bewahren. Das war eine Menge.

In Spanien kam ich zu einer großkalibrigen Flak-Batterie. Da waren wir Jungen aus 15 verschiedenen Nationen. Die spanische Republik hatte nicht viele Abwehrbatterien, aber die Rebellen hatten eine kolossale Luftüberlegenheit. Daher waren wir mit unserer Batterie immer in Aktion.

War es an den Fronten ruhig, gingen wir in die Städte, z.B. Madrid, um sie zu verteidigen. Aber vor allem waren es natürlich die Hafenstädte wie Barcelona, ​​Valencia oder Cartagena. Dort kamen die Schiffe mit Kriegsmaterial, die es durch die deutschen und italienischen Blockaden geschafft hatten. Und die faschistische Spionage arbeitete sehr gut. Wenn ein Schiff in einer Hafenstadt angekommen war, kamen Francos Bomber, die in Mallorca stationiert waren, um das Boot zu versenken. Deshalb wurde dort unbedingt Flak gebraucht. Bis zum heutigen Tag habe ich ein ungutes Gefühl, wenn ich das Wort Mallorca höre.

Aber die meiste Zeit lagen wir an den Fronten, um unsere Infanterie gegen die demoralisierende Übermacht der faschistischen Luftwaffe zu verteidigen. Solange wir mit Flugabwehr auf die Heinkel-, Caprani- und Junker-Flugzeuge feuerten, konnten sie unsere Bodentruppen nicht angreifen. Daher war es ihr Ziel, zuallererst uns auszuschalten.

Wenn sie unsere Linien angriffen, und wir die erste Salve gegen sie geschickt hatten, sahen sie, wo wir waren. Sofort änderten sie den Kurs, um uns zu bombardieren. Dann kam es zu harten und langwierigen Duellen zwischen ihnen und unserer Batterie.

Von vielen solchen Augenblicken sei hier einer geschildert: Es war der 29. Mai 1938, ein schöner Sonntagmorgen. Der Essenswagen war gerade mit dem Kaffee gekommen, als wir Motorengeräusch aus feindlicher Richtung hörten. Es gab keinen Morgenkaffee an diesem Tag für uns, denn jetzt machten wir uns sofort bereit, und schon sahen wir die ersten drei schwarzen Punkte, jene ersten Bomber in der Schlachtordnung, am Horizont, gefolgt von einem langen Schwanz der weiteren Staffeln.

Die vorderen waren schnell in der Reichweite unserer Kanonen, und als wir begannen, Ihnen Pfeffer zu geben, wurden immer noch mehr schwarze Punkte am Himmel sichtbar. Und wie üblich griff die beschossene Staffel uns an. Als sie nahe genug an die Batterie herangekommen war, löste die ganze Gruppe ihre Bomben. Wir mussten schnell in Deckung gehen, denn von 1800 m Höhe konnte es nicht lange dauern, bis die Bomben den Boden erreichen würden. Nun begann ein bedrohliches Pfeif- und Heulkonzert. Da kroch man zusammen. Und je schrecklicher und mächtiger die Bomben pfiffen und heulten, desto mehr kroch man zusammen, ganz unten in der Tiefe der Schutzgrube. Und dann kamen die Explosionen von 30-40 Bomben, die die Erde in wuchtig-stotternden Intervallen erschütterten und die Wände der Schutzgrube aufwarfen, und man sich so klein wie nur irgend möglich machen wollte.

Dann hörten die Einschläge auf, und wir dachten, jetzt wäre die letzte Bombe krepiert. Wir sprangen auf und rannten schnell zu unseren Plätzen an den Waffen und Geräten, um die zweite Gruppe Bomber zu beschießen. Auch diese warf, als sie nahe genug war, ihre tödliche Ladung ab. Auch diesmal mussten wir nun schnell in Deckung, um unser Leben zu schützen. Auch diesmal wieder das nervenaufreibende Heulen und am Ende die Explosionen. Und dann wieder auf! Jetzt folgten Duelle mit der dritten Gruppe, mit der vierten, der fünften und so weiter. Wie viele es werden würden, konnten wir nicht vorhersehen.

Endlich kehrte die letzte Gruppe von Bombern zu ihrer Basis zurück, und wir atmeten auf. Aber die Atempause sollte nicht lange andauern, weil sie bloß zu ihrer Basis fliegen und eine neue Ladung zu holen brauchten, und bald wurde der Kampf wieder aufgenommen und neue Duelle gestartet. Auge in Auge im gewohnten Rhythmus, Alarm, Bomben, Deckung, Explosionen.

An diesem Tag hatten wir mehr als 15 Bombenkrater in der Batterie, mitten zwischen den Kanonen und Geräten, aber keine Verluste im Kader. Eine spanische Flak-Batterie auf der anderen Seite verlor 20 Kameraden, und viele weitere wurden verletzt.

Mein Platz in der Batterie war bei der Zielsteuerung. Bei dieser Einheit waren wir Genossen aus fünf verschiedenen Ländern. Unsere Aufgabe war, die angreifenden Bomber mit dem Fernglas zu verfolgen. Deshalb sah ich auch immer, wenn sie ihre Ladung Bomben ausklinkten. Auf diese Weise habe ich während des Krieges Tausende von Bomben gesehen, die direkt auf uns gerichtet wurden. Wie auch immer, ich hatte nie Angst. Dies bedeutet nicht, dass ich keinen Respekt vor den Bomben hatte. Oh nein, dass wird wohl jeder begreifen.

Aber obwohl ich keine Angst hatte, hat doch diese schreckliche Spannung, die man bei jedem Bombardement erlebt, bei mir tiefe Rillen eingegraben. Zu Beginn des Krieges bemerkte ich davon noch nichts. Aber im zweiten Jahr, wenn ein solch heftiges und anhaltendes Duell mit den feindlichen Flugzeugen endlich vorbei war, wenn die Reaktion kam auf den dabei erfahrenen Nervenstress, da legte ich mich auf den Boden, um zu entspannen und mich zu beruhigen. Denn nach einem solchen Zusammenstoß vibrierte der ganze Körper, mit jedem Nerv. Es fühlte sich an, als hätte ich einen ganzen Ameisenhaufen in mir, als liefen die Ameisen durch alle Adern. 

Einmal, als ich so unter einem Olivenbaum lag, dachte ich: "Bin ich wirklich hier auf dem Boden oder schwebe ich in der Luft." Aber ich konnte natürlich nicht der Schwerkraft trotzen. Und ich dachte: "Was bist du dumm. Es ist klar, dass du liegst, du liegst auf dem Rücken, auf dem Boden." Aber es fühlte sich irgendwie seltsam an.

Es waren nicht nur die Nerven, die im Krieg unter Stress standen. Nein, es litt der gesamte Mensch. Zur Veranschaulichung kann ich eine Art Bilanz geben: Ich erinnere mich, dass mein Gewicht im Alter von 15 Jahren bei 61 kg lag. In den letzten Tagen in Spanien, Ende Januar 1939, hatte ich wieder Gelegenheit, mich zu wiegen. Da war ich natürlich fast doppelt so alt, aber habe einschließlich Winteruniform und Marschstiefel 53 kg gewogen. Diese einfachen Zahlen sagen viel.

Und was die Angst betrifft: Ich sagte, dass ich auch bei den schwersten Gefechten mit der deutschen und der italienischen Luftwaffe nie von Angst befallen war.

Warum? Es lag dem ein Erlebnis zu Grunde, das ich in Göteborg im Dezember 1936 hatte. Als ich mir vorstellte, dass ich nun nach Spanien gehen und mich melden werde, fing ich an zu zittern. Es war grauenhaft, ich zitterte ganz schrecklich. Es war die Angst vor der Angst vor dem, was mich erwartete. Denn ich wusste, worauf ich mich einließ. Als Kind war ich vom Ersten Weltkrieg betroffen gewesen. Meine Erinnerungen an diese Zeit sind böse, voller Grauen, an Invaliden und Verstümmelungen in mancher Hinsicht. Ich muss nicht Belege aufzählen oder in die Details gehen. Darüber hinaus gab es die Antikriegsliteratur und die Berichte der älteren Genossen von den Frontkämpfen. Ich wusste genau, wie es war, unter Beschuss, beim Massenmord. Da war nicht verwunderlich, was an Angst und Nervosität in mir aufstieg.

In einem alten Reiterspiel heißt es: "Und wettet ihr das Leben nicht, dann werdet ihr niemals das Leben gewinnen." Ich verstand, dass ich etwas wagen musste, um alt zu werden. Mich bei den Internationalen Brigaden zu melden, konnte das Ende für mich bedeuten. Als ich mir dies vollständig klar machte und es auch akzeptiert hatte, kam eine große Ruhe über mich, und mein Körper hörte auf zu zittern.

Ich schüttelte meine Angst hier in Göteborg ab, und ich ging hinunter, überzeugt und ohne Vorbehalt. Daher war ich frei von Angst, dort unten, in Spanien, an der Front. Und es war gut.

Sicher, als wir von den Faschisten besiegt wurden, waren die Kämpfe und all die schrecklichen Dinge vorbei, für uns persönlich. Aber für die Menschen in Europa begann bald die Hölle, in die wir bereits gesehen hatten. Die Demokratien hatten die spanische Republik preisgegeben. Jetzt wusste ich, Hitler und jene deutschen Imperialisten können nun ihren lange geplanten Eroberungskrieg beginnen. Ich hoffe nur, die Menschen haben daraus gelernt, dass sie durch Appeasement und Feigheit die Reaktion und Onskans Mächte niemals stoppen werden. Man muss bereit sein, für die Freiheit selbst mit Einsatz des Lebens zu kämpfen.

Wie Passionaria es ausgedrückt hat:

Besser zu sterben, stehend als freie Menschen, als auf den Knien als Sklave zu leben.

Übersetzung: cg

 

Von einem Mitkämpfer Gustav Martens`, dem Mechaniker und Geschützführer Ferdinand Berger, liegt ein weiterer Bericht über den Kriegseinsatz der 14. Flak-Batterie vor:

Interview Berger (Auszug)

 

Anmerkungen

[1] Vgl. Bericht Paul Brüggemann an die Untersuchungskommission der KPD zu Ereignissen in der dänischen Emigration vom 5.11.1934; Bundesarchiv Berlin (BA) RY 1/I 2/3 101. Ein weiterer Beleg ist, dass er in Gustav Martens' Fotoalbum abgebildet ist. vgl. auf dieser Website "Harburger im Spanischen Bürgerkrieg".

[2] Hochmuth, Ursel/ Meyer, Gertrud: Streiflichter aus dem Hamburger Widerstand 1933 – 1945, Frankfurt/ M 1980, S. 195 f.

[3] Hochmuth 1980, S. 80; http://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/wer-war-wer-in-der-ddr-%2363%3B-1424.html?ID=5361

[4] BA, RY 1/I 2/3/157, BY 4/ 171; Scholz 2000, S. 41 ff.

[5] Neues Deutschland v. 17.10.1961, 18.10.1961, 19.10.1961, 22.10.1961.

[6] Hochmuth 1980, S. 37, 194, 197, 594.

 

Bildnachweis

(1) http://gustavmartens.weebly.com

(2) Brigadas Internacionales, Berlin 1974

(3) die anderen

(4) Brigadas...

(5) Foto von 1957; Quelle: Government of India (http://photodivision.gov.in/IntroPhotodetails.asp?thisPage=1122, 12.11.2015)

(6) Brigadas ...

(7) Berliner VVN/ BdA (Hg): Unser Blatt, Ausgabe 57 (August 2014) in: http://berlin.vvn-bda.de/unser-blatt-57/, 12.11.2015

(8) bis (11): Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (http://www.doew.at/erinnern/biographien/spanienarchiv-online), 13.11.2015

(12) hhttp://www.nancarrow.de/Kurzbiographie.htm, 13.11.2015

(13) bis (14): http://www.alba-valb.org/volunteers/browse , 13.11.2015

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